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Das Leben ist keine Aphorismensammlung ...

Dido - Look No Further (Official Music Video)

mehr von Dido Armstrong -> hier


Bis zum Jahr 2050 wird sich der Weltenergiebedarf etwa verdoppeln. Noch immer kochen zwei Milliarden Menschen mit Holz oder noch einfacheren Brennstoffen und haben keinen Zugang zu umweltfreundlichen Energien. Zu hoffen, man könne die künftig benötigten Ressourcen für 9 Milliarden Menschen aus regenerativen Quellen decken ist kurzfristig nicht umsetzbar und langfristig ein kaum kalkulierbares Wagnis.

Mehr dazu ->
hier, -> hier, -> hier und -> hier


im Jahr 2010 betrug der weltweite Kohlendioxid-Ausstoß 30,6 Gigatonnen. Davon stammen 44 Prozent aus der Kohleverbrennung, 36 Prozent aus der Ölnutzung und 20 Prozent durch das Verbrennen von Erdgas. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) betrug der Anstieg der CO2-Emissionen im Jahr 2010 insgesamt 1,6 Gigatonnen. Hochgerechnet wird dieser Zuwachs die globale Durchschnittstemperatur in 90 Jahren um mehr als 4 Grad erhöhen. Ich bin zwar der festen Überzeugung, dass die Menschen auf die Klimaveränderung einen weitaus geringeren Einfluss hat, als Ihnen der Weltklimarat zumisst, (siehe nächster Absatz und -> hier) - aber sollten die Berechnungen des IPCC stimmen, wird der prognostizierte Temperaturanstieg die Existenz von Hunderten Millionen Menschen gefährden. Auch ohne den vielzitierten "Clash of Civilizations" würde ein derart kurzfristiger Klimawechsel weltweit Massenmigrationen und Verteilungskriege auslösen.

(Übersichtsgrafiken zum IPCC-Bericht 2007 -> hier)

… just my five cents …


Eine neue, hoch aufgelöste (27 km) Karte der Oberflächen-Massenbilanz (SMB) des antarktischen Eisschildes von 1979 bis 2010 zeigt keinen signifikanten Trend der antarktischen Eisbedeckung. Sie basiert auf den Ergebnissen eines regionalen atmosphärischen Klimamodells, in das auch die Physik von Schneewehen eingegangen ist, ebenso wie die jüngsten Daten einer Neu-Analyse des Europäischen Zentrums für Mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF), ERA-Interim (1979 bis 2010). Die SMB-Karte bestätigt Zonen mit hoher Akkumulation auf der Westseite der antarktischen Halbinsel (über 1500 mm pro Jahr) und der Küste der Westantarktis (über 1000 mm pro Jahr). Niedrige SMB-Werte zeigen sich in weiten Gebieten des innerantarktischen Eisschildes (unter 25 mm pro Jahr). Die Örtlichkeit und das Ausmaß von Gebieten der Abtragung werden realistisch modelliert.


Ohne den natürlichen Treibhauseffekt, der die Erde auf eine Durchschnittstemperatur von 15 Grad erwärmt wäre auf diesem Planeten kein Leben möglich. Das auf der Welt natürlich vorhandene Kohlendioxid ist daran mit etwa 20 Prozent beteiligt. Die von den Menschen verursachten Treibhausgase setzen sich zu etwa 77 Prozent aus Kohlendioxid zusammen: direkt durch Verbrennung und indirekt durch Abholzung und Abbau von Biomasse. Die verbleibenden 23 Prozent teilen sich Methan, Distickstoffmonoxidund und fluorierte Kohlenwasserstoffe. Die Gesamtmenge der jährlichen CO2-Emissionen beträgt etwa 550 Gigatonnen. Der weitaus größte Teil davon ist mit etwa 514 Gigatonnen natürlichen Ursprungs, der von den Menschen verursachte Anteil beträgt 6,5 Prozent. Die Hälfte des anthropogenen CO2 wird von der Biosphäre und den Ozeanen aufgenommen, wo es über Jahrtausende gebunden bleibt. Damit verringert sich der für die Klimaveränderung rechnerisch zu berücksichtigende Anteil auf gerade mal 3 bis 4 Prozent der jährlich anfallenden Gesamtmenge. Würde es uns - rein theoretisch - gelingen, den industriellen CO2 Anteil zu halbieren, würde diese gigantische Anstrengung an der Entwicklung des Weltklimas so gut wie nichts ändern.

… just my five cents …


Einer großen Mehrheit von umweltbewußten und sich zum nachhaltigen Konsum bekennenden "Gutmenschen" sind oft nicht einmal die grundlegendsten Fakten über die wahren Klimaschädiger bekannt: So ist die Produktion von Fleisch und anderen Lebensmitteln tierischen Ursprungs für die Hälfte aller globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. (-> Quelle) Dies ist mehr als das Dreifache des gesamten weltweiten Straßenverkehrs, der mit etwa 700 Millionen Autos, Lastwagen und Bussen weltweit rund 13 Prozent der von den Menschen verursachten Treibhausgase verursacht.


Eine dreijährige Kuh produziert durch ihre Methangasausscheidungen etwa soviel Treibhausgase wie ein Mittelklassewagen mit 90 000 Kilometer Fahrleistung. Es gibt etwa 1,4 Milliarden Zuchtrinder auf der Welt. Im Jahr 2000 haben die Menschen weltweit 229 Millionen Tonnen Fleisch gegessen, bis 2050 soll sich der Fleischkonsum verdoppeln.

Die Zeit: Klimakiller ersten Ranges
Friedrich-Löffler-Institut für Tiergesundheit
Das Rülpsen der Einder


Auch Haustiere verursachen einen "ökologische Fußabdruck". Eine Hauskatze belastet die Umwelt so stark wie ein Kleinwagen, zwei Hamster sind so schädlich wie ein Plasmafernseher und ein Goldfisch entspricht in Sachen Umweltbelastung in etwa zwei Handys. Das berichtet das Magazin Reader’s Digest in seiner Juni-Ausgabe unter Berufung auf eine Studie der neuseeländischen Experten Robert und Brenda Vale. (...) Der "ökologische Fußabdruck" misst ursprünglich den Umweltverbrauch von Menschen. Bei der Berechnung werden unter anderem die Fläche für Getreideproduktion, für Weidevieh sowie CO2-Emissionen berücksichtigt. Neuseeländische Wissenschaftler übertrugen das Modell auf Haustiere und fanden dabei heraus, dass der ökologische Fußabdruck vor allem von der Nahrung abhängt. So braucht ein Körner knabbernder Hamster nur 0,014 Hektar Fläche pro Jahr, ein Fleisch fressender Schäferhund hingegen verspeist umgerechnet jährlich 1,1 Hektar. Ein Pferd vertilgt rein rechnerisch etwa 0,7 Hektar Fläche. Zum Vergleich: Der ökologische Fußabdruck eines Nordamerikaners liegt bei acht Hektar pro Person und Jahr, der eines Deutschen bei rund fünf Hektar

Hauskatze belastet die Umwelt so stark wie ein Kleinwagen siehe auch: "Time to Eat the Dog? The Real Guide to Sustainable Living"


Der Flugverkehr ist weitaus weniger klimaschädigend als er von hysterischen Umweltschützern dargestellt wird: laut IPCC trägt er mit gerade mal 3,5 Prozent etwa soviel an der vom Menschen verursachten Erwärmung bei wie die weltweite Eisen- und Stahlproduktion. Dagegen beträgt der Emissionsanteil der Kraftwerke auf fossiler Basis (Öl, Kohle, Erdgas) etwa 25 Prozent. Ein weiteres Beispiel für selten hinterfragtes ökologisches Grundwissen ist der Schienenverkehr: Das Transportsystem Eisenbahn bezieht seine Energie aus Strom, der in Deutschland zu 60% aus Kohle- und Gaskraftwerken und zu 40% aus Atomkraft gewonnen wird. Ein Vergleich der auf Öläquivalente basierenden Reichweiten ergibt beim Vergleich der verschiedenen Verkehrsmittel zum Beispiel das erstaunliche Ergebnis, das ein PKW im öffentlichen Nahverkehr oft das ökologisch verträglichere Verkehrsmittel ist und das das ein Busfahrer jeden Fußgänger schlägt. Auch moderne Lastwagen verbrauchen bei optimierter Beladung, Frachtgut und Strecke weniger Energie als die Bahn.

Mehr dazu -> hier


Um die Strommenge eines Kernkraftwerks der Größe des Meilers Philippsburg 2 (Nettoleistung 1.400 MW ) zu erzeugen, wären 3690 Windräder an Land (2 MWp mit je 0,2 km2 Flächenbedarf) nötig. (...) Würde Deutschland im Jahr 2050 seinen Strom komplett "erneuerbar" erzeugen, benötigten die Windräder (dann 4 MWp , á 0,32 km2) für ihren Anteil an geschätzten 870 Mrd KWh etwa eine Fläche von 43.500 Quadratkilometern. Das wäre 90% der Fläche Niedersachsens.

Günther Keil: Dreizehn Energiewende-Märchen


Bis heute, 1. Juni 2011

- starben durch radioaktive Verstrahlung in Fukushima:
0 Menschen

- starben beim Protest gegen den Castor-Transport
2 Menschen ( -> Quelle 1, Quelle 2)

- starben an den Folgen EHEC-verkeimter Sprossen einer Bio-Gärtnerei in Bienenbüttel
40 Menschen

- starben von den etwa 500.000 (!!!) Arbeitern die 1986/87 an den Rettungsmaßnahmen nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl beteiligt waren:
47 Menschen (-> Quelle 1, Quelle 2, Quelle 3)

- starben im letzten Jahr von den mehr als 2 Milliarden Flugpassagieren durch einen Absturz (langjähriger Durchschnittswert)
500 Menschen (-> Quelle)

- starben durch Unfälle im Kohlebergbau im letzten Jahr (langjähriger Durchschnittswert) etwa
6.000 Menschen (-> Quelle 1, Quelle 2) - und durch Pipeline-Unfälle mehr als 100 Menschen (-> Quelle 1, Quelle 2)

- starben allein in Deutschland durch Unfälle im Haushalt im letzten Jahr (langjähriger Durchschnittswert) etwa
6.000 Menschen (-> Quelle 1, Quelle 2)

- starben im letzten Jahr allein in Deutschland an sogenannten "Krankenhauskeimen"
30.000 Menschen (-> Quelle)

- starben im letzten Jahr weltweit an durch Asbestkontamination verursachten Krebs
100.000 Menschen (-> Quelle)

- starben nach dem Bruch des Banqiao-Staudamms in China
170.000 Menschen (-> Quelle)

- starben in Europa im letzten Jahr an durch Feinstaub versursachten Krebs
310.000 Menschen (-> Quelle)

- starben im letzten Jahr im weltweiten Straßenverkehr
1,2 Millionen Menschen (-> Quelle)

- starben im letzten Jahr weltweit durch verschmutztes Wasser
2,7 Millionen Menschen (-> Quelle)

- starben im letzten jahr weltweit durch verschmutzte Luft
3 Millionen Menschen (-> Quelle)

- starben im letzten Jahr an durch Rauchen verursachten Krebs
6 Millionen Menschen (-> Quelle)

- starben im letzten Jahr weltweit an den Folgen von Umweltverschmutzung, zerstörerischer Landwirtschaft oder gefährlichen Arbeitsbedingungen
13 Millionen Menschen (-> Quelle)

- starben in den etwa 180 Kriegen nach 1945 (zur Zählweise siehe -> hier)
25 Millionen Menschen (-> Quelle 1 , Quelle 2)

siehe auch: -> Energieunfälle und Todeszahlen


Die Präfekturverwaltung Fukushima gab am 20. Februar 2012 - ein Jahr nach der Reaktorkatastrophe Zahlen zur radioaktiven Belastung der Bevölkerung in der Präfektur bekannt. Von den untersuchten 9.474 Einwohnern (ohne Reaktorarbeiter) aus den am schwersten belasteten Orten Iitate, Kawamata und Namie waren 5.636 einer Strahlung von weniger als einem Millisievert ausgesetzt. Lediglich bei 2 Personen lag die Belastung bei 23 Millisievert, also knapp über dem jährlich zulässigen Grenzwert.
Zum Vergleich: Der gesundheitliche zulässige Grenzwert 20 Millisievert p.a. entspricht der Strahlenbelastung bei einer Ganzkörper-Computertomografie. Das Risiko an durch Strahlung verursachten Krebs zu erkranken beginnt (!!) aber erst beim 5-fachen dieses Grenzwertes, also bei 100 Millisievert pro Jahr. Damit ist selbst bei den höchsten gemessenen Werten eine nachteilige gesundheitliche Auswirkung sehr unwahrscheinlich. Auf der Erde gibt es Gebiete mit einer weitaus höheren natürlicher Strahlenbelastung. So kommt der der 250 km lange Streifen an der indischen Südküste in Tamil Nadu und Kerala auf eine durchschnittliche natürliche Strahlenbelastung von 55 Millisievert pro Jahr, in der 76.000 Einwohner zählenden brasilianischen Stadt Guarapari wurde eine jährliche natürliche Hintergrundradioaktivität 400 Millisievert gemessen und in der 33.000 Einwohner zählenden iranischen Stadt Ramsar liegt die maximale Jahres-Ortsdosis im Freien sogar bei 860 Millisievert pro Jahr!


Die derzeitig stark verstrahlte Zone um Fukushima Daiichi umfasst in etwa die Fläche der Insel Rügen
. Dabei wird der vom französischen Strahlenschutzamtes ISRN als kritisch erachtete Grenzwert von 600.000 Becquerel pro Quadratmeter überschritten. Ein japanisches Wissenschaftlerteam um den Pflanzen-Radiophysiologen Tomoko Nakanishi hat allerdings eine vorläufige Entwarnung gegeben. Nach seinemm Befund sind die radioaktiven Partikel im Boden zumeist fest in der obersten fünf Zentimetern starken Schicht gebunden. Gemessen wurde eine vergleichsweise geringe Cäsium-Aktivität von maximal 3500 Becquerel pro Kilogramm. Daher könnte sogar in der Umgebung von Fukushima schon im nächsten Jahr wieder Landwirtschaft betrieben werden ohne die zulässigen Grenzwerte zu überschreiten (-> Quelle)


Das durchschnittliche Risiko für einen Japaner, im Laufe seines Lebens an Krebs zu erkranken, liegt unabhängig von der Reaktorkatastrophe in Fukushima bei etwa 40 Prozent.Wie die meisten Strahlenexperten geht der US-Radiologe Fred Mettler, Mitglied des wissenschaftlichen Strahlenschutzkomitees der Vereinten Nationen (UNSCEAR) davon aus, dass Fukushima das allgemeine Krebsrisiko in Japan nicht erhöhen wird. Und falls doch, sei es zu klein, um messbar zu sein (-> Quelle)


Werden in Deutschland, wie beschlossen, bis 2022 alle Atomkraftwerke abgeschaltet und ihre Stromproduktion größtenteils auf Kohlekraftwerke verlagert, erhöhen sich die jährlichen CO2-Emissionen um 64 Millionen Tonnen auf etwas mehr als 358 Millionen Tonnen – ein Anstieg um 22 Prozent. Nach Plänen der Bundesregierung sollen Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) auf Dauer in 1000 Meter tiefen Gesteinsschichten deponiert werden (CCS - Carbon Capture and Storage) Die Endlagerung im Untergrund sollte Deutschlands Klimabilanz verbessern. Unter dem Eindruck der geballter Bürgerproteste hat der Bundesrat den entsprechenden Gesetzentwurf jedoch Ende September gestoppt.


Am Rand der Stadt
Kurchatov bei Semipalatinsk / Kasachstan (-> Karte, -> Fotos) liegt das größte Atombombentestgelände der ehemaligen Sowjetunion. Das gesamte Testgelände ist mit 18.000 qkm fast so groß wie Rheinland-Pfalz. Bis 1989 wurden hier insgesamt 496 Atomwaffen gezündet, 113 über- und 383 unterirdisch. Dies entspricht etwa der Sprengkraft von 2500 Hiroshima-Bomben. In den von den oberirdischen Kernwaffentests am meisten betroffenen Regionen im Norden, Osten und Süden des Testgeländes wird heute keine erhöhte Strahlenbelastung mehr festgestellt. In einem umfangreichen, internationalen und teilweise von der IAEA koordinierten Untersuchungsprogramm hat sich gezeigt, dass auch in den Brunnenwassern der stark betroffenen Orte (z. B. Dolon und Sarzhal) keine erhöhte radioaktive Belastung mehr feststellbar ist. In den großen Städten (Semipalatinsk und Ust-Kamenogorsk in Kasachstan sowie Rubtsovsk in der Russischen Föderation) gibt es ebenfalls keine erhöhte Strahlenbelastung (-> Quelle 1, -> Quelle 2 -> Quelle 3)



Rußland besitzt derzeit etwa 11.000 atomare Gefechtsköpfe, die USA 8.500, Frankreich 300, China 240, Großbritannien 220, Pakistan 90 - 110, Indien 80 - 100 und Israel 80. Nach Angaben des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) sind davon etwa 5.000 Gefechtsköpfe jederzeit einsatzfähig. (Stand 2011) - das Risiko eines Nuklearkriegs (Iran, Nordkorea, Pakistan) mit Millionen Opfern ist um ein Vielfaches größer als das Bedrohungspotential durch die weltweit 439 im Betrieb befindlichen Atomkraftwerke.


Die Situation der globalen Klimapolitik ist kurz zusammenfassbar: Es gib sie nicht. Insbesondere die wachsenden Volkswirtschaften Asiens lassen sich ihre Wachstumsmöglichkeiten durch verpflichtende Kohlenstoffdioxidminderungen nicht beschneiden. Überall auf der Welt werden Klimagesetze beerdigt oder auf Eis gelegt. Insbesondere das viel gepriesene Instrument Emissionshandel ist ein Auslaufmodell und steht nicht etwa vor einem Durchbruch. China, Indien und Australien winken ab. In den USA wurde die Chicagoer Klimabörse nach den letzten Zwischenwahlen zum US-Kongress geschlossen. Kurz vorher hat der selbst ernannten Klimapapst Al Gore noch seine Anteile der Börse verkauft.

Holger Krahmer (MdEP)


Alle Parteien der Industriestaaten, ob rechts oder links, werden die CO2- Erderwärmungstheorie übernehmen. Dies ist eine einmalige Chance, die Luft zum Atmen zu besteuern. Weil sie damit angeblich die Welt vor dem Hitzetod bewahren, erhalten die Politiker dafür auch noch Beifall. Keine Partei wird dieser Versuchung widerstehen. Dies prophezeite mir schon 1998 Nigel Calder

Günter Ederer: Die CO2-Theorie ist nur geniale Propaganda


Gegen einen "Fast-and-Dirty"-Journalismus hat sich der TV-Wissenschaftsexperte Ranga Yogeshwar ausgesprochen. (…) Besonders im Fernsehen herrsche die "Macht der Bilder" – und der könnten sich weder Redakteure noch Zuschauer entziehen. (…) Dennoch steht für Yogeshwar fest, dass sich eine Vielzahl von Journalisten vor der Berichterstattung nicht ausführlich mit dem Thema beschäftigt habe. Wie sonst könne es geschehen, dass Schlagzeilen, wie "Hochgefährliches Plutonium rund um Fukushima entdeckt" geschrieben würden, wenn die Internationale Atomenergiebehörde längst öffentlich erklärt habe, dass nur ein winziger Teil dieses giftigen Stoffs tatsächlich aus dem Reaktor stamme.

Kirchenkreis Obere Nahe: Deutsche sorgen sich mehr um Reaktor als Japaner


mehr zum Thema Umwelt -> hier


Der Netzaktivist Eli Pariser hat Anfang 2011 einen bis dahin weniger beachteten Effekt des Internet benannt: die Filter Bubble. Suchergebnisse von Google und Nachrichten im Strom sozialer Netzwerke passen sich den Bedürfnissen der Nutzer an. Facebook "optimiert" die Auswahl der präsentierten Informationen anhand des vermuteten Interesses - und anhand des sozialen Umfelds. Es entsteht eine scheinbar universelle, tatsächlich aber hochindividualisierte Mikroöffentlichkeit im Netz. Abweichendes ist nicht zu sehen, weil es von Algorithmen verborgen wurde. Pariser fasst zusammen: "Wir bewegen uns in eine Welt, in der das Internet uns nur Dinge zeigt, von denen es denkt, dass wir sie sehen müssen" - oder sehen wollen. (...) Breviks Tat wurde im Internet geboren. Das sollte und wird Folgen haben für die Art, wie man mit seinen Worten im Netz umgeht: jemand könnte sie als Waffen benutzen.

Sascha Lobo: Der neue Terrorismus kommt aus dem Netz

siehe auch: Peter Sennhauser: Die neue Gefahr der Tarnkappen-Gatekeeper


Jeden Moment schreiben Millionen von Menschen ihre Erinnerungen, Meinungen und Wünsche irgendwo ins Internet. Soziale Netzwerke, Blogs und Kommentarfelder strotzen nur so vor persönlichen Stellungnahmen. Einige pfiffige Dienstleister schicken Software-Agenten durchs Netz, um die Stimmungen der ungezählten Autoren zu analysieren. So soll eine Firma erfahren, wie Kunden ihre Produkte bewerten. Aber auch andere Anwendungen sind denkbar. Bekannt wurden Untersuchungen von Beiträgen zu Talkshows und Podiumsdiskussionen. Institutionen könnten einzelnen Personen anhand von Dokumenten bestimmte Einstellungsmuster unterstellen und so ermitteln, ob sie anonyme Inhalte geschrieben haben könnten. (...) Wenn man den Werbegiganten Google mit seinem neuen sozialen Netzwerk betrachtet oder den Konkurrenten Facebook, dann wird offenbar, dass die Milliarden Datensätze, die dort stündlich gespeichert werden, deutlich mehr über unsere Kultur aussagen als die peinlich unterbelichteten Meinungsumfragen der Forschungsinstitute.

Jörg Wittkewitz: Glück ist auch nur so ein WortIn Treue fest / Buchtipp: Realitätskonstruktionen und: Journalisten und Politiker vertrauen sich nicht


"In der Meinungswirtschaft, in der ich mein Geld verdiene, gibt es praktisch nur Linke." Jan Fleischhauer hat in seinem Buch den Beleg gleich mitgeliefert. Bei einer redaktionsinternen Abstimmung in der eher als konservativ-liberal angesehenen ‚Welt’ lag Rot-Grün "mit weitem Abstand vorn."

3. Liberaler Salon: Medien, Macht und Meinungsbildung


In Kalifornien zeigt sich das ganze Ausmaß der US-Schuldenmisere: Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Regierung überfordert - mancherorts fehlt der Polizei das Geld, um Diebe zu jagen. Tausende rutschen in die Armut, selbst die Mittelschicht hat Angst vor der Zukunft. (…) Inzwischen leben in den gesamten USA mehr als 46 Millionen Menschen in Armut - das ist fast jeder sechste Amerikaner . (...) "Ich lebe seit 19 Jahre in dieser Stadt, und es ist von Jahr zu Jahr schlechter geworden", sagt Tim Viall. "Vielleicht sollte Obama mal hierher kommen." Mit "hierher" meint er Stockton, eine 300.000-Einwohner-Stadt im Hinterland Kaliforniens. Viall leitet dort die örtliche "Emergency Food Bank", eine Auffangstation für die Ärmsten. Sie erhalten dort kostenlose Lebensmittel, die örtliche Supermärkte gespendet haben. "Vor vier oder fünf Jahren kamen im Schnitt 200 Familien pro Tag zu uns", sagt Viall. "Heute sind es 420. Das macht bis zu 2100 Familien pro Woche." Bei durchschnittlich vier Personen pro Haushalt versorgt die Food Bank damit mehr als 33.000 Menschen im Monat - fast zwölf Prozent der Einwohner von Stockton.

Janko Tietz: "Vielleicht sollte Obama mal hierher kommen"


In kaum einem Land wächst die Bevölkerung so schnell wie in Pakistan - sie wird schon bald die viertgrößte der Welt sein. (…) Derzeit weist die "Bevölkerungsuhr" der Regierung fast 177 Millionen Einwohner aus. Der Statistik zufolge bekommt jede Frau im Durchschnitt knapp vier Kinder. Hält dieses Wachstum an, wird Pakistan, heute auf Platz sechs der bevölkerungsreichsten Länder der Welt, bis Mitte des Jahrhunderts auf Platz vier liegen, hinter den flächenmäßig viel größeren Staaten Indien, China und USA. (…) In der pakistanischen Gesellschaft ist die Familie immer noch das einzige Sozialsystem. Kinder (genauer: Söhne) sind die Altersvorsorge der Eltern, im Idealfall bleiben sie ihr Leben lang bei ihnen und kümmern sich um sie. (…) So sind etwa 60 Prozent der Menschen in Pakistan unter 30 Jahre jung - und die Bevölkerung wächst und wächst. Doch das Land macht kaum etwas aus diesem Potential, das eine so junge Gesellschaft durchaus bietet. Millionen von jungen Menschen bekommen keine Bildung, finden keine Arbeit, haben keine Perspektive. Noch reichen die Lebensmittel, die Pakistan produziert. Aber was, wenn die Bevölkerung immer größer wird?

Hasnain Kazim: Babyboom mit Allahs Hilfe


Europa wird islamischer, weil es sich nicht mehr ausreichend vermehren kann. Nordamerika wird aus demselben Grund hispanischer und katholischer. Aber Europas Südamerika liegt nun einmal in Afrika und dem Islambogen. Frankreich und Deutschland allein haben 1900 mit 100 Millionen Einwohnern so viel Menschen wie ganz Afrika. 2050 jedoch stehen – nach Abzug von AIDS-Opfern – zwei Milliarden Afrikaner 130 Millionen Bürgern in Deutschland und Frankreich gegenüber, von denen viele südlich des Mittelmeeres Verwandte haben. Der Weltislam legt zwischen 1900 und 2050 von 150 auf 2,6 Milliarden zu.

Gunnar Heinsohn / siehe auch: Demografie und Krieg


"Bambini" werden in Italien vergöttert - aber es gibt kaum noch welche. Das Land bildet das Schlusslicht in der europäischen Geburtenstatistik. (…) Seit Jahrzehnten ist die Geburtenrate mit 1,3 Kindern pro Frau eine der niedrigsten Europas, obwohl sich zwei Drittel der Italienerinnen mindestens zwei Kinder wünschen. Aber sie können sich den Nachwuchs nicht mehr leisten. (…)Gerade mal 1,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts werden für Familienförderung ausgegeben, das ist weniger als die Hälfte des europäischen Durchschnitts. (…)Nur sieben Prozent aller Kinder unter drei Jahren bekommen einen Krippenplatz, Tagesmütter sind so gut wie unbekannt in Italien, und eine Auszeit für Väter ist gesetzlich gar nicht vorgesehen.

Fiona Ehlers: La Mamma kann sich keinen Nachwuchs leisten


Neben Amenu hocken zwei der drei kleinen Kinder auf dem Krankenbett; spindeldürre Wesen, von denen eines eine Plastiktüte anstelle einer Windel trägt. Das dritte Kind, noch ein Säugling, winselt unter einem Moskitonetz. Alle drei leiden an Cholera. Hunderte von Fliegen schwirren durch den Raum, der Boden ist glitschig von Erbrochenem, Kot und Blut. Und hinter Amenu, auf dem zweiten Bett in diesem vor Dreck starrenden Krankenzimmer, liegt unter einem Tuch eine Leiche. Das ist Amenus Frau, Birti Noonge. 32 Jahre alt ist sie geworden. Vergangene Nacht ist sie an der Cholera gestorben. (…) Das Banadaar-Krankenhaus, mit seinen 600 Betten das einzige halbwegs funktionierende öffentliche Hospital in Mogadischu, verfügt über keine Leichenhalle. Es gibt weder Strom noch Wasser in der Klinik, keine saubere Wäsche, kaum Medikamente und nur zwei Ärzte. Das Hospital ist das Spiegelbild des allgemeinen Zustands von Mogadischu: verwahrlost, geplündert, am Ende. (…) 100.000 Flüchtlinge sollen es sein, die in den vergangenen vier Wochen in panischer Flucht vor dem Hunger und den Fanatikern von al Shabaab ihre Heimatregionen verlassen und in Mogadischu ihre Plastikplanen aufgespannt haben. Es können aber genauso gut 200.000 sein. Verlässliche Zahlen sind schon deshalb nicht zu finden, weil es in Mogadischu keine Verwaltung gibt, keine Regierung, die diesen Namen verdient, und keine namhafte Hilfsorganisation. Al Shabaab bedroht deren Mitarbeiter mit dem Tod.

Thomas Scheen: Verwahrlost, geplündert, am Ende



Unsere größte Bedrohung ist nach wie vor der Terrorismus. Das nächste Mal, wenn Terroristen einen Anschlag auf die USA verüben, werden sie eine Nuklearwaffe oder biologische Waffen haben, und die Zahl der Opfer wird vielleicht bei mehreren Hunderttausenden liegen. Wir können darüber nachdenken, wie nett wir zu Leuten von al-Qaida sein müssen, aber das ändert nichts daran, dass einige der schlimmsten Regierungen der Welt Verbindungen zu Terrororganisationen haben und Waffen entwickeln können, die eine tödliche Bedrohung für die USA und Europa sind.

Dick Cheney: "Ich fürchte weitere Anschläge"


Echter Liberalismus muss sich ständig mit etablierten Wirtschaftsinteressen anlegen, um wirklichen Wettbewerb zu ermöglichen. Weil die alten Platzhirsche sonst den Markt abschotten und dafür sorgen, dass keine neuen Konkurrenten hochkommen. (…) Weil in Deutschland klassische Überzeugungen des Liberalismus so wenig ausgeprägt sind, hatte das bürgerliche Lager weniger Probleme damit, die Bankenrettungsprogramme zu beschließen. Gerade der rheinische Kapitalismus der CDU hat ja in der Regel nicht etwa auf Staatsferne gesetzt, sondern auf enge Verzahnung von Wirtschaft und Politik. Dazu kam, dass in Deutschland die politisch kontrollierten Landesbanken besonders riskante Geschäfte mit “credit default swaps” getätigt haben (ein geflügeltes Wort an der Wall Street war vor der Krise: “Verkauf es doch an Düsseldorf”, wenn ein Kreditpaket so schlecht war, dass man es gar nicht mehr an private Institute losschlagen konnte). Es ist also denkbar falsch, wenn Schirrmacher sich über die CDU mit den Worten beklagt: “Sie hat nicht nur keine Verantwortung für pleitegehende Banken verlangt, sie hat sich noch nicht einmal über die Verhunzung und Zertrümmerung ihrer Ideale beklagt.” Tatsächlich lassen sich diejenigen in Deutschland, die wirklich an die Ideale des Liberalismus geglaubt haben, an wenigen Händen abzählen. Die massiven Markteingriffe nach der Lehman-Pleite waren dem Wirtschaftsdenken der Politik in Deutschland, egal ob links oder rechts, weit näher als dem in angelsächsischen Ländern. Schirrmacher nutzt nun also nur die Gelegenheit, das klassische etatistische Verständnis des deutschen Konservativismus zu bekräftigen gegen die Chimäre eines Marktliberalismus, den es in Deutschlands politischer Landschaft eigentlich kaum je gegeben hat. Ihm geht es vor allem darum, den Liberalismus zu diskreditieren und den deutschen Konservativen mit seiner Intervention den letzten Rest an liberalem Denken auszutreiben.

Clemens Wergin: Hatte die Linke doch Recht?


Deutschland streitet über die Euro-Rettung, vehement fordert der Bundestag mehr Mitspracherechte. Doch was wollen die Parlamentarier damit überhaupt? Diese Frage dürfte sich jeder stellen, der einen ARD-Beitrag über das peinliche Unwissen einiger Volksvertreter gesehen hat. (…) Umso mehr dürfte zu denken geben, wie es um die Sachkenntnis der Abgeordneten steht. Reporter des ARD-Magazins "Panorama" haben Politiker aller Fraktionen vor dem Plenarsaal befragt, worüber sie da eigentlich abstimmen. Das Ergebnis der am Donnerstag ausgestrahlten Umfrage ist desaströs: Viele konnten nicht einmal beantworten, mit wie vielen Milliarden Euro der deutsche Steuerzahler denn nun haftet.

Christian Teevs: Denn sie wussten nicht, worüber sie abstimmen


Niemad will Schuld sein an einem Komplettzusammenbruch. Also werden sie, solange es irgend geht, die Anleihemärkte stützen. Wenn Italien an die Schwelle zur Zahlungsunfähigkeit gerät, wird auch die Europäische Zentralbank (EZB) nicht umhin können, italienische Anleihen zu kaufen. - Retten uns die Notenbanken vor dem finanziellen Armageddon? - Eine Zeitlang vielleicht. Doch je mehr die Qualität der Anleihen schwindet - je weiter die Bonität der Staaten erodiert - desto mehr geraten die Notenbanken in die Klemme. Irgendwann müssten sie wertlose Anlagen gegen Geld tauschen. (…) Völlig losgelöst von der Realwirtschaft würden die Notenbanken die Wirtschaft mit Geld fluten und die größte Schuldenkrise der Geschichte auf bewährte Weise lösen: durch Inflation. Wenn irgendwann die Preise zu steigen beginnen, werden die Notenbanken angesichts ihrer aufgeblähten Bilanzen die Inflationsdynamik kaum wieder einfangen können. Die Folgen: Schulden würden entwertet, Währungen ruiniert. Danach beginnt ein neues Spiel. Nach neuen Regeln - vielleicht den chinesischen.

Henrik Müller: Wer rettet die Welt vor dem Finanz-Armageddon?


Mit den Euro-Bonds wollen die Staaten sich Zeit kaufen. Euro-Bonds bedeuten, dass man noch ein paar weitere Jahre Schulden machen kann, so lange, bis auch die noch etwas solideren Staaten komplett ruiniert sind. Wenn man eine Pleitefirma nicht saniert, sondern sie mit einer anderen Firma fusioniert, die erst knapp vor der Pleite steht, gewinnt man Zeit. Sie nennen es „Solidarität“, „Feigheit“ wäre ein richtigeres Wort. Der Crash wird hinausgeschoben, er wird dann halt noch etwas totaler.

Harald Martenstein: Das Geld der Reichen reicht nicht ewig


Den Ankauf von italienischen und spanischen Anleihen sieht der FDP-Finanzexperte Frank Schäffler als "verkappte Eurobonds", bei denen alle Euroländer am Ende haften. "Eurobonds sind weder mit dem Grundgesetz noch mit geltendem Europarecht noch mit der FDP-Beschlusslage vereinbar. Dann sollte die FDP in Berlin die Koalitionsfrage stellen.“

FDP kündigt Widerstand gegen Eurobonds an


Was wir machen, wird unweigerlich zu einer großen Inflation führen. Denn bei der Krise handelt es sich um eine Überschuldungskrise von Staaten und Banken, die wir mit noch mehr Schulden lösen wollen. Am Ende zerstört dies das Sparvermögen der Bürger und damit die Mitte der Gesellschaft. (...) Viele glauben an die Gestaltungskraft der Politik und verkennen die Ursache der Krise. Die Regierungen mit dem billigen Geld der Notenbanken verursachen diese Krisen, die anschließend in immer kürzeren Abständen und mit immer größeren „Rettungspaketen“ bekämpft werden. (...) Mit der Kollektivierung der Schulden in Europa wird das Demokratieprinzip unseres Grundgesetzes ausgehebelt, ohne dass die Bevölkerung in Deutschland jemals gefragt wurde.

Frank Schäffler: Zerstörung des Sparvermögens


Eines dürfte klar sein: Selbst wenn das Geldsystem per Eurobonds noch eine Weile weiter läuft: das bittere Ende ist damit nur noch deutlicher programmiert. Brüssel kopiert Weimar. Wenn der Euro und damit auch die anderen Währungen am Ende in einer riesigen Inflations-Supernova verglühen wird in den Büchern stehen: Leider nichts aus Geschichte gelernt.

Michael Mross: Rote, Grüne, Großkapital für Eurobonds


Der Philosoph Peter Sloterdijk glaubt den "Surrealismus" auf den Kapitalmärkten erkannt zu haben. Den Wirtschaftskreislauf beschreibt er mit einem kleinen Märchen:

„Es ist ein trüber Tag in einer kleinen irischen Stadt, es regnet, die Straßen sind leer gefegt, die Zeiten sind schlecht, jeder hat Schulden, alle leben vom Kredit. An diesem Tag fährt ein betuchter deutscher Tourist durch die Stadt, hält an einem kleinem Hotel, legt einen 100-Euro-Schein auf den Tresen der Rezeption.

Er sagt dem Eigentümer, dass er Zimmer anschauen möchte, um vielleicht eines für die Übernachtung zu mieten. Der Hotelmanager gibt ihm einige Schlüssel, kaum ist der Besucher die Treppen hinaufgegangen, nimmt der Hotelier den 100-Euro-Schein, rennt zum nächsten Haus und bezahlt seine Schulden beim Schlachter. Der Schlachter nimmt die 100 Euro, rennt die Straße hinunter, bezahlt den Schweinezüchter.

Der Schweinezüchter nimmt die 100 Euro, bezahlt seine Rechnung beim Futter- und Treibstofflieferanten. Der Mann nimmt den 100-Euro-Schein, rennt zur Kneipe, bezahlt seine Getränkerechnung. Der Kneipenwirt schiebt den Schein zu einer an der Theke sitzenden Prostituierten, die dem Wirt einige Gefälligkeiten auf Kredit gegeben hatte.

Die Prostituierte rennt zum Hotel und bezahlt die ausstehende Zimmerrechnung mit dem 100-Euro-Schein. Der Hotelier legt den Schein wieder zurück auf den Tresen, sodass der wohlhabende Reisende nichts bemerken würde. In diesem Moment kommt der Deutsche die Treppe herunter, nimmt den 100-Euro-Schein und meint, dass ihm die Zimmer nicht gefallen, er steckt den Schein ein und verlässt die Stadt. Nun ist die Stadt ohne Schulden, und man schaut mit großem Optimismus in die Zukunft.“


Diese kleine Geschichte - vorgetragen im Philosophischen Quartett mit dem Thema "Irrationale Finanzwelt" (-> 1, 2, 3, 4, 5 ) - wurde in den Wirtschaftsblogs heftig diskutiert. Eine positive Bewertung findet sich z.B. -> hier: und eine negative Kritik -> hier


Ein Staatsbankrott ist so toll nicht, aber auf jeden Fall ein Riesenerlebnis, findet Tagesspiegel-Kolumnist Harald Martenstein. Nach einer paar Wochen normalisieren sich die Dinge schließlich wieder.

sehr witzig: Staatsbankrott ist keine schöne Sache


Wenn man den Reichen ihr Geld wegnimmt, kann man für eine gewisse Weile auf die gewohnte Weise weiterwirtschaften, gewiss. Aber was tut man, wenn das Geld der Reichen aufgebraucht ist? Neue Reiche dürften ja wohl kaum nachwachsen, in dem total gerechten System des Sozialismus. Es hat keiner mehr Lust, reich zu werden, wenn man ihm sofort alles wieder wegnimmt. Also, nach drei oder meinetwegen 20 Jahren ist das Geld der Reichen aufgebraucht – und dann? Was tut man dann? Diese Frage hätte ich gerne beantwortet. Ich glaube, die Geschichte der DDR bietet wertvolle Hinweise auf das, was passiert, wenn man den Reichen ihr Geld wegnimmt und einfach mal eine Weile nur von der historischen Substanz lebt.

Harald Martenstein: Das Geld der Reichen reicht nicht ewig Siehe auch Wikipedia: Fiskalpolitik


Wenn »die da« so reich geworden sind, und zwar unter dem Schirm der Allgemeinheit, dann sollen sie auch abgeben. Bloß: Wen wollen wir eigentlich schröpfen? Die Versicherung, die unsere Policen ausgestellt hat? Die Banken, deren Aktienfonds wir gekauft haben? Hmm, die vielleicht nicht, aber warum nicht die Reichen als solche, die sowieso zu wenig Steuern zahlen. Was ist »zu wenig«? Bezogen auf das Jahr 2007, hat eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung festgestellt: Das unterste Fünftel der Steuerpflichtigen zahlt praktisch keine Steuern – jene, die weniger als 8.200 Euro pro Jahr an Rente oder Lohn beziehen. Interessanter ist das »reichste Zehntel«: Das zahlt über die Hälfte (52 Prozent) des Steueraufkommens. Und die ganz Reichen – ein Prozent? Die waren (2002) für mehr als ein Fünftel des Steueraufkommens gut.

Josef Joffe: Lasst die "Reichen" in Ruhe



Welt Online: Was sind die Handlungsmotive innerhalb der Finanzmafia? - Wolfgang Hetzer: Es ist die Gier, die sie treibt. Gier und Selbstprivilegierung. Durch Selbstprivilegierung und erkauftes Wohlwollen entstand ein Milieu, in dem die erfolgreiche Teilnahme an Bereicherungsorgien alleiniges Ziel des Handelns ist. Wer nicht ein entsprechendes Ego mitbringt, der steigt gar nicht in die Vorstände der Finanzwelt auf. Das sind Leute, die sich dauernd vergleichen wollen, die krankhafte Vorstellungen von Erfolg haben, sonst würden sie bestimmte Dinge gar nicht tun.

Günther Lachmann: Im Würgegriff der Mafia aus Finanzwelt und Politik


»In den kommenden Jahren wird der unregulierte Bereich [gemeint sind die Hedgefonds] exponentiell wachsen. Und das Risiko wird nicht verschwinden, sondern sich aus dem regulierten, transparenteren Bankensektor in den weniger regulierten, undurchsichtigeren Bereich bewegen«, warnte Gary Cohn, [die Nummer 2 bei Goldman Sachs]. Kurz darauf schlug Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, in dieselbe Kerbe. »Eines Tages wachen wir auf und stellen fest, die systemischen Herausforderungen sind so groß, dass wir eine öffentliche Rettungsaktion oder zumindest Hilfe für unregulierte Bereiche stellen müssen.« Im Klartext lautete die Botschaft der Banker an die Gesetzgeber: Nehmt ihr uns die Möglichkeit weg, bei den riskanteren, renditeträchtigeren Geschäften mitzumischen, drohen diese Geschäfte in undurchsichtigere und unregulierte Bereiche abzuwandern. Und womöglich müssen die daraus entstehenden Gefahren dann wieder zulasten der Steuerzahler abgewendet werden.

Heike Buchter: Gewächse im Verborgenen


Seit Mitte Mai versammeln sich jeden Abend Tausende meist junge Demonstranten im Zentrum von Madrid, um gegen die "politische Klasse" und deren Umgang mit der Wirtschaftskrise zu protestieren. Die Demonstranten protestieren gegen die extrem hohe Arbeitslosigkeit: Im ersten Trimester des Jahres waren mehr als 21 Prozent der Spanier ohne Job, fast die Hälfte der Menschen unter 25 Jahren hatte keine Arbeit. (…) Sie sind die am besten ausgebildete Generation, die es in Spanien je gegeben hat, und die erste, die schlechter leben wird als ihre Eltern. Aber sie sind schön. Noch nie habe ich so viele schöne Menschen auf einmal gesehen. Ein Freund sagt, das liegt daran, dass diese Leute Fahrrad fahren, gesund essen und Bücher lesen. Sie haben also studiert, aber es bringt ihnen nichts ein, sie sind gebildet, aber es nützt nichts.

Eugenia Rico


Sonntagmorgen in einem Berliner Café. Das Viertel besteht aus meist hübsch herausgeputzten Gründerzeithäusern. Meist junger Mittelstand zieht ein, er öffentlicher Dienst, sie kreativ tätig – oder umgekehrt. Wo einst Schuster, Maler und Installateure ihre Dienste und Waren anboten, befinden sich jetzt Töpfer-Werkstätten und andere kunsthandwerkliche Ateliers. Alle Läden eint, dass wir noch nie einen Kunden darin gesehen haben. Einzig der Bioladen und die neue Tierärztin erfreuen sich eines gewissen Publikumszuspruchs. Am Nebentisch unterhalten sich ein Mann und eine Frau ziemlich laut über ein Theaterprojekt. Wir bekommen mit, dass die Volkshochschule involviert ist und Förderanträge auf öffentliche Gelder offenbar positiv beschieden wurden. Das Schwarze Brett an der Wand ist ein Schaukasten der Alternativ-Ökonomie. Abrisszettel mit Telefonnummern offerieren Klavier- und Yoga-Kurse, Geigen- und Gesangsunterricht, Homöopathie für Katzen und Konfliktberatung für Ehepaare. Wie nachhaltig ist die Illusionswirtschaft? Wir sind keine Ökonomen und deshalb ziemlich ratlos angesichts der Fragen, die sich in unserem Berliner Biotop aufdrängen. Kann eine Ökonomie funktionieren, in der der eine Gesangsunterricht gibt und der andere dafür die Katze homöopathisch betreut? Wir wissen es nicht, haben aber den zarten Anfangsverdacht, dass das Geld letztlich woanders herkommen muss.

Maxeiner & Miersch: Die Berliner Wohlfühl-Ökonomie


Vielleicht bedarf es zur Freiheit, links zu denken, materieller Sicherheit. Vielleicht heißt frei sein heute, wirtschaftlich unabhängig sein. Zwar sind in Deutschland weniger als drei Millionen Menschen arbeitslos, aber wenn man genauer hinguckt, stellt man fest, dass immer weniger junge Leute einen Job haben, mit dem sie sich identifizieren und durch den sie sich voll finanzieren können. Der wirtschaftliche Aufschwung trifft, wenn es ihn denn wirklich gibt, die Branchen, in denen keine Geisteswissenschaftler arbeiten. Die hangeln sich stattdessen von einem Projekt zum nächsten - das geht vom Kuratieren einzelner Ausstellungen über Festivalbetreuung hin zu befristeten Assistentenstellen an der Universität -, und sie sind froh, wenn sie ihr eigenes Leben in trockenen Tüchern haben und sich nicht auch noch mit ihren Altersgenossen solidarisieren müssen. (...) In meinem Freundeskreis heißt das: zu wenige Praktika gemacht, zu wenig Auslandserfahrung gesammelt, zu wenige Fremdsprachen gelernt, zu lange studiert, überhaupt das Falsche studiert. Man hätte schließlich auch Medizin oder Lehramt wählen können, aber wollte es ja nicht anders. Und weil es ja doch immer irgendwelche Streber gibt, die wirklich alles richtig machen (dafür aber keine Freunde und keine Freude haben, ha!), stehen wir dann da und denken, wir seien selbst schuld. Die kapitalistische Denkweise, dass jeder seines Glückes Schmied sei und wir uns vom Tellerwäscher zum Millionär hocharbeiten können, wenn wir nur fleißig genug sind, ist uns in Fleisch und Blut übergegangen.

Grete Götze: Was, du bist links?


Nicht wenige haben verhalten solidarisch geschmunzelt, als sich in Kreuzberg eine breite Front gegen die Eröffnung eines McDonald's-Restaurants formierte, angeführt von dem grünen Veteranen Hans-Christian Ströbele, MdB, und der schaffte es, dieser tatsächlich zu erklären, warum eine tagelang im eigenen Fett schmorende Berliner Currywurst artgerechter und bekömmlicher wäre als ein unter strengen Auflagen zubereiteter Hamburger. (…)
Anders als in den „national befreiten Zonen“ im Osten haben in Kreuzberg nicht die Neo-Nazis und die Rechtsradikalen das Sagen, sondern deren fortschrittliche Counterparts, die darüber entscheiden, wer ein „Faschist“ beziehungsweise ein „Rassist“ und deswegen in Kreuzberg nicht willkommen ist. Gestern war es Thilo Sarrazin, morgen könnte es jemand sein, der das „Kreuzberger Milieu“ als das beschreibt, was es ist: ein spießbürgerliches Biotop, bewohnt von linken Reaktionären, die nichts dabei finden, das System abzuschöpfen, das sie zutiefst verachten.

Henryk M. Broder: Kreuzberg – Sozial befreite Zone Deutschlands


„Es werd‘ immä schlimmä mit dem Turbokapitalismus. Guck dir doch mal die Armut in Deutschland an …“ Traurig, aber wahr. Jedes Jahr zur Spargelernte und Weinlese müssen zehntausende Ukrainer, Tschechen und Weißrussen nach Deutschland gekarrt werden, weil die von Armut betroffenen Deutschen mittlerweile zu schwach sind, um diese Arbeiten ausführen zu können. Da immer mehr Manager aus Profitgier unsere Arbeitsplätze nach Polen verlagert haben, haben die Polen mittlerweile Wichtigeres zu tun, als uns den Spargel zu stechen und den Wein zu lesen. Ich befürchte, wenn diese Entwicklung in dem Tempo weitergeht, haben bald auch die Ukrainer, Weißrussen und Tschechen keine Zeit mehr für uns. Dann müssen wohl oder übel die Kasachen und Mongolen ran. Aber ob sich das noch mit den Fahrkosten rechnet? Vielleicht kann man da ja was mit der Pendlerpauschale machen. „Scheiß Globalisierung“, so der frustrierte Kommentar meines Onkels. Dabei ist die Idee des globalen Handels keine neue Erscheinung. Bereits im sechzehnten Jahrhundert sind die Spanier nach Südamerika gefahren und haben den Indios Gold, Kartoffeln und Tomaten geraubt. Dafür spielen die Indios zur Strafe bis zum heutigen Tag Panflöte in der Fußgängerzone. Vielleicht gibt es ja deswegen in Deutschland so viele Globalisierungsgegner. Doch seit der freie Handel große Teile der Welt erfasst hat, haben sich mehr Menschen von Armut befreit als jemals zuvor in der Geschichte. In den letzten fünfzig Jahren sank der Anteil der Menschen, die in den Entwicklungsländern nicht genug zu essen hatten, von fünfundvierzig auf achtzehn Prozent. Im gleichen Zeitraum stieg die weltweite Lebenserwartung von fünfunddreißig auf siebenundsechzig Jahre.

Vince Ebert: Wer hat Angst vor’m freien Markt?


Das mittlerweile größte Problem ist, die Leistungsfähigen zum Arbeiten über ihren persönlichen Bedarf hinaus zu animieren. Der Staat macht das über Verschuldung, durch dass er a) die Gewinnmargen nach oben drückt und b) indem er erst das Geld zur Hortung schafft. Würde er das durch seine Verschuldung entstandene Geld durch Steuern und Abgaben wieder einsammeln, wäre das Anreizsystem dahin. Würde er alternativ auf Verschuldung verzichten, wäre das Anreiz ebenfalls dahin. Bei den meisten Menschen geht es doch gar nicht mehr um die Befriedigung wirklicher Bedürfnisse sondern allenfalls noch um Luxus- und Statuskonsum. Und diesen Effekt findest Du nicht erst bei sehr hohen Einkommen oder Vermögen. Die Produktivität hat ein dermaßen hohes Niveau erreicht, dass diejenigen, die in der Lage sind, diese Produktionsressourcen zu bedienen, nach einem Tag Arbeit in der Woche ihre Beine hoch legen könnten.

H.K.Hammersen


Die amerikanische Soziologin und Ökonomin Juliet B. Schor rechnet in ihrem Buch "Plenitude" mit dem zerstörerischen Wohlstand ab, erklärt dem Staat die Unabhängigkeit und sieht bessere Zeiten kommen. (...) »Die Erschöpfung des Planeten ist für viele seiner Bewohner seelisch schwer zu ertragen. Es kommt darauf an, dass sie als Bürger wieder eine Erfahrung der Handlungsfähigkeit machen. Viele habe in der Konsumkultur das Lernen verlernt und die Fertigkeiten, sich selbst zu erhalten. Das ändert sich gerade, und die Erschütterung der Finanzkrise kann als Motor wirken.« Es ist paradox: Schor möchte die Bürger neu politisieren, indem sie entschieden unpolitisch vorgeht. Sie informiert, auf ihre empirische Forschung gestützt, die Bürger über die Paradoxien des materiellen Lebensstils: Inzwischen kauft jeder Amerikaner im Schnitt alle fünf Tage ein neues Kleidungsstück, das er kaum tragen wird, Kleidung ist vielerorts billiger als Brot. Jeder zehnte Haushalt mietet zusätzlichen Stauraum an, und das Ausmisten von Haushalten ist in Amerika zum florierenden Berufszweig geworden. Schor nennt dies das »materiality paradox«

Elisabeth von Thadden: Reicher werden


Ich gönne dem Mark Zuckerberg jede einzelne seiner Milliarden und den Google-Gründern auch, zumal die ja wenigstens so etwas wie "das Original" sind. Und ich gönne den zahlreichen Nachahmern dieser Leute, die sich quer über den Globus verstreut als Unternehmensplagiatoren betätigen, in der Hoffnung, damit wenn schon nicht Milliarden dann wenigstens ein paar hundert Millionen abzustauben, diese auch. Ich glaube nur, dass diese Art des Unternehmertums etwas grundlegend anderes ist als das, was kapitalistische Gesellschaften bislang darunter verstanden haben und worauf sie ihren Anspruch an Massenwohlstand begründeten. Anders gesagt: Es macht meiner Meinung nach einen Unterschied, ob ich ein Unternehmen gründe, um Unternehmer zu sein; oder ob ich es gründe, um es möglichst schnell und profitabel zu verkaufen.

Thomas Strobl: Der Traum vom schnellen Geld


Unser Abiturjahrgang hat bislang zwei Kinder hervorgebracht. Beim Jahrgangstreffen macht man Party, als sei man 18, und redet über Indienreisen und Kitesurf-Kurse. Freiheit auskosten, das sagen wir seit zehn Jahren. Wie lang dauert es eigentlich, bis so eine Freiheit einmal ausgekostet ist? (...) Die Entscheidung für ein Kind ist eine längerfristige Bindung als ein Bausparvertrag und steht damit in wachsendem Kontrast zu den Werten, die jeder Karriereratgeber vorbetet: räumliche und zeitliche Flexibilität. Eine Geburt ist irreversibel und ein Verlust von Optionen. Nichts macht uns mehr Angst. (...) Jetzt sind wir an der Reihe, die Kinder der späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahre. Die erste Kohorte von Einzel- und Scheidungskindern. Ausgerechnet die Generation, die mit der Muttermilch Misstrauen gegenüber familiärer Bindung aufgesaugt hat. Ebenso, wie den Auftrag zur Selbstverwirklichung. Dazu, unabhängig zu werden – finanziell, räumlich, emotional. Kinder stehen für das Gegenteil: totale Abhängigkeit, Unangepasstheit, Lebensfreude einfach so und nicht als Verdienst für irgendeine Leistung. Wer soll das noch verstehen? Studiert was Solides, lernt viele Sprachen! Kriegt Kinder? Das sagte niemand. (...) Immer mehr Familienpolitik, immer weniger Kinder, das ist ein Rätsel. In vormodernen Zeiten waren Kinder für die Menschen die Renten- und Pflegeversicherung, im bürgerlichen Zeitalter wurde das Glück, das ein Kind brachte, zum zentralen Motiv dafür, die Geburt nicht zu verhüten. Die innere Welt der Familie wurde im 19. Jahrhundert ein Gegenmodell zur harten Außenwelt, eine romantische Idee. Bürgerliche Familien begrenzten trotzdem ihre Kinderzahl, um den Lebensstandard zu heben, was der Wirtschaftshistoriker Eric Jones als eine zentrale Ursache für das „europäische Wunder“ der Industrialisierung beschrieb. (...) „Die Weißen denken zu viel“ hieß ein von den Achtundsechzigern gern gelesenes Buch. Vielleicht hat unsere Leistungsgesellschaft dabei das Gefühl verloren dafür, welche Freude es machen kann, die Neugier zu beobachten, mit der ein Kind die Welt entdeckt, wenn es im Sandkasten Burgen baut, von der Welt träumt oder weint, weil es so traurig über die Welt ist, wie wir Zyniker es auch nicht mehr sein können.

Jan Grossarth


Es hat soziale und ökonomische Gründe, dass der gesellschaftliche Aufstieg der Nachfahren türkischer Gastarbeiter etwas länger dauert als bei anderen Einwanderern, bei denen schon die Großeltern Ingenieure und Ärzte waren und keine Bauern. Ja, und auch dies ist anzumerken: Wahrscheinlich spielen bei den Problemen zu einem bestimmten Teil auch die Mentalität, mangelnde Bildung, das Patriarchat oder die Religion eine Rolle. (...) Es gehen mehr als kommen. Aber deshalb wird Europa in Zukunft nicht weniger Muslime haben. Weil die, die da sind, hier bleiben werden. Ihre Probleme sind unsere Probleme, deutsche Probleme. Ihre Arbeitslosigkeit, unsere Arbeitslosigkeit. Ihre Gewalt und Kriminalität, unsere Gewalt und Kriminalität. Ihr Erfolg, unser Erfolg.

Özlem Topcu: Die da, das sind wir

siehe auch: Özlem Topcu: Einmal Glaube und zurück


Als sich die achtjährige Sohana Javaid der Polizeistation in der südafghanischen Provinz Urusgan näherte, schöpfte niemand Verdacht. Sie hatte von Extremisten den Auftrag erhalten, dort eine Tasche abzuliefern. Dass sich darin eine Bombe befand, habe das Mädchen nicht gewusst, so das Innenministerium am Sonntag. Als sie sich einem Polizeiauto näherte, liessen die Extremisten die Bombe per Fernzünder hochgehen. Das Mädchen starb, andere Leute wurden nicht verletzt. Hinter der Tat werden die Taliban vermutet, auch wenn sie in der Vergangenheit abgestritten haben, Kinder als Selbstmordattentäter zu missbrauchen.(...) Vor zwei Jahren berichtete die «Washington Times», wie Baitullah Mehsud, ein pakistanischer Talibananführer, der bei einem US-Drohnenangriff ums Leben kam, Kinder kaufte, um sie als Selbstmordattentäter gegen pakistanische, afghanische und amerikanische Ziele zu missbrauchen. Der Preis für kindliche Attentäter betrug damals 7000 bis 14'000 US-Dollar, eine sehr hohe Summe in einem Land, wo das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen 2600 Dollar im Jahr beträgt. Der Preis für das Kind hänge davon ab, wie schnell ein Attentäter gebraucht werde und wie nahe das Kind dem Ziel kommen soll. Etliche Kinder wurden auch entführt und an Mehsud verkauft.

Monica Fahmy: Ein paar Tausender für eine 8-jährige Selbstmordattentäterin


So wie sich der gute alte Antisemitismus als Antizionismus maskiert, so hat sich auch der Revisionismus ein neues Outfit verpasst. Ging es ihm früher darum, die Nichtexistenz von Gaskammern zu beweisen, um Deutschland von der Anklage des Völkermords freizusprechen, so tritt er heute zur Ehrenrettung von Mohammed Atta und Osama Bin Laden an. 9/11, sagen die neuen Revisionisten, sei nicht das Werk islamischer Fanatiker, sondern der US-Geheimdienste gewesen, um die «Besetzung» Afghanistans und den «Überfall» auf den Irak zu rechtfertigen. Je länger 9/11 zurückliegt, umso beliebter werden solche Konstrukte. Zum zehnten Jahrestag von 9/11 kommt über ein Dutzend neuer Bücher auf den Markt, deren Verfasser von derselben Idee besessen sind: Es war die CIA! Oder der Mossad! Oder die CIA und der Mossad. Auf keinen Fall aber Mohammed Atta und seine Gang.

Henryk M. Broder: Absinth und ARD

Auf der Cebit gab es sie bereits: die Stadt von morgen. "Urban Living"-Technologien sollen das Leben komfortabler und sicherer machen. Mit denselben Mitteln könnte eine Regierung die Stadt aber auch in nie dagewesener Art und Weise überwachen. Zwei Szenarien:

- Zwei Mädchen bleiben in der Fußgängerzone vor dem Schaufenster eines Kaufhauses stehen. Sie schneiden Grimassen, lachen – und warten, wie das Schaufenster reagiert: Kleine Kameras filmen die beiden und die SHORE-Software reagiert auf ihre Mimik. Sie erkennt, dass die beiden jung sind, fröhlich und weiblich. Der große Bildschirm, der dort hängt, wo früher Schaufensterpuppen standen, zeigt deshalb Mode für junge, fröhliche Frauen.

- Im SmartControlRoom des Polizeipräsidiums leuchtet die Fußgängerzone auf dem Digitalen Lagetisch orange auf. Der Schwellenwert wurde soeben überschritten: Viele offenbar aggressive Menschen sind an den Auslagen vorbeigegangen, die mit den Mimikdetektoren ausgerüstet wurden Die meisten dieser potenziellen Gefährder bewegen sich in die gleiche Richtung. Der Diensthabende schickt eine Zivilstreife los, sie soll sich am Ende der Fußgängerzone postieren und prüfen, ob sich irgendwo kleine Menschengruppen versammeln

Patrick Beuth: "Urban Living" is watching you …


Für etwa 2,4 Milliarden Menschen ist das Grundnahrungsmittel der Reis. Die Zellbiologen Peter Beyer und Ingo Potrykus haben vor 10 Jahren durch gentechnische Eingriffe eine Reissorte ("golden rice") gezüchtet, die im Korn das Provitamin A (Beta-Karotin) anreichert und die menschliche Eisenaufnahme verbessert. Etwa 3 Milliarden Menschen haben zu wenig Eisen im Blut und laut WHO sterben jährlich etwa eine Millionen Menschen an Vitamin-A-Mangel) Die beiden Forscher konnten die an der Entwicklung beteiligten Agrarkonzerne - darunter Monsanto und Syngenta - dazu bewegen, auf ihre Patente und Lizenzrechte zu verzichten. Das Saatgut kann daher ohne Mehrkosten an Kleinbauern abgegeben werden und diese dürfen es für den Eigenbedarf nachzüchten. Das Projekt wird seit 2006 von der Initiative "Grand Challenges in Global Health" der Bill & Melinda Gates Foundation mit mehr als elf Millionen US- Dollar gefördert. Bis heute ist der Anbau in den wichtigsten asiatischen Ländern allerdings noch immer nicht freigegeben, weil ein paar arrogante "Experten" von Greenpeaceund Foodwatch die Risiken der Gentechnologie höher bewerten als deren Nutzen und entsprechenden Druck auf die Regierungen ausüben. Dabei hat schon 2006 hat eine Studie ergeben, dass der "goldene Reis" allein in Indien jährlich das Leben von 40.000 Kindern hätte retten können. Die beiden Biologen, deren Forschungsergebnisse in etwa der Bedeutung der Impfung gegen Kinderlähmung gleichkommen, zählten im Ranking des Wissenschaftsmagazin "The Scientist" zu den hundert wichtigsten Biotechnologen aller Zeiten und hätten längst einen Nobelpreis verdient. Enttäuscht und von den Mühlen der Bürokratie zerrieben versuchen sie noch immer ihr Lebenswerk voranzutreiben. Millionen an Blutarmut leidende Menschen werden nie erfahren, das ihr Leben gerettet werden könnte, wenn sich die grünen "Weltverbesserer" nicht über ein Jahrzehnt quergestellt hätten.


Wenn Sie einen Millionär fragen, warum er weitere Millionen machen will, obwohl er das Geld niemals selbst wird ausgeben können, wird er Ihnen Antworten geben, die zeigen, dass es ihm allein um seinen Status geht. Deswegen streben auch die absurd Reichen danach, noch reicher zu werden – sie wollen nicht zurückfallen.

Kate Pickett: Gleichheit ist Glück / mehr dazu -> hier