Sie sind hier:

01

02

03

04

05

06

07

08

09

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

23

24

::

home



Ich meine: Welcher Normalbegabte sollte angesichts der Weltnachrichtenlage auf die Idee verfallen, ausgerechnet jetzt den "bewährten" Kurs zu verlassen, um sich zu Experimenten hinreißen zu lassen? Nein. Gute Miene zum wie-auch-immer-gearteten Spiel, böse, vielleicht, aber das klingt ja gleich wieder so hochtrabend. Böse also nicht unbedingt, aber kurzsichtig, ja, kurzsichtig auf jeden Fall. Wo wird das alles hinführen? Ich will es gar nicht wissen, weil dann geht's mir schlecht, und ich will, dass es mir gut geht. Optimistisch bleiben, dann kommt der Rest von ganz alleine. Im Griff haben wir die Sachen allemal, wir bauen die weltbesten Autos, damit sie lange und zuverlässig halten, aber wenn sie zu lange und zu zuverlässig halten, dann setzen wir halt Prämien aus, um sie mutwillig kaputt zu machen. Und wir machen Schulden, Schulden, Schulden - und wenn uns die Schulden bis zum Hals stehen, dann machen wir noch mehr Schulden, um aus den Schulden wieder rauszukommen... Kann das funktionieren? Wohin wird das führen? Tja, wer weiß. Sicherlich alles gute Fragen, aber nicht hier und heute, weil da regen sie uns nur auf.

Thomas Strobl


81 Jahre lebte sie zurückgezogen in Manhattan, ihr Name war vergessen. Huguette Clark starb im Mai, 104 Jahre wurde sie alt.
Eine Frau, die in jungen Jahren eine der bekanntesten Society-Ladys war, 1930 aber von der Bildfläche verschwand - und nie wieder auftauchte. Seit mindestens 50 Jahren hatte sie keinen Fuß mehr auf ihr mehr als neun Hektar große Anwesen im kalifornischen Santa Barbara gesetzt. Es liegt auf einem Hügel mit Blick über den Pazifik und wird Bellosguardo genannt, "schöne Aussicht". Einziger Bewohner war ein von Clark engagierter Hausverwalter. Ihrer Krankenschwester vererbte sie nun 37 Millionen Dollar. Alle entfernten Verwandten gehen leer aus.

Huguette Clarks Anwesen wird ein Museum


Sie wurden 1943 im Auftrag von Rüstungsminister Speer aufgenommen, verschwanden bei Kriegsende auf einem Speicher, wurden Jahrzehnte später wiederentdeckt: Spektakuläre Luftbilder deutscher Altstädte sollten beim Wiederaufbau helfen. Sie zeigen ein Land, das es so nicht mehr gibt.

Juwelen vor dem Feuersturm


Mit dem Käfer ins Grüne, an jeder Straßenecke ein James Dean, und daheim stopft Mutter Strümpfe: Kaum einer hat das deutsche Wirtschaftswunder so perfekt festgehalten wie Jupp Darchinger. Der neue Bildband des Fotografen lässt die Zeit zwischen 1952 und 1967 auferstehen.

Kunterbuntes Wirtschaftswunder


Helden und Liebesdamen, Rockstars und Alkoholwracks, Schaumschläger und Szenegänger: Günter Zint hat sie alle fotografiert. Seine Bilder zeigen die Abgründe und Absurditäten der Hamburger Reeperbahn. Ein intimes Meisterwerk

Huren, Krüppel, Nachtgestalten


Haarwuchshelme, Nasenformer und eine Röntgenbrille für den erotischen Durchblick: Fortschrittsglaube hatte in den fünfziger Jahren Hochkonjunktur. In Anzeigen bewarben findige Geschäftsmänner Science-Fiction für zu Hause - inklusive einem "Wunder-Warenhaus", das von selbst einkauft

Kauf Dir die Zukunft


Anyone who believes exponential growth can go on forever in a finite world is either a madman or an economist.

Kenneth Ewart Boulding


Er baute das Guggenheim Museum und das legendäre "Fallingwater", ein Haus auf einem Wasserfall. Doch Frank Lloyd Wright hatte noch ganz andere Visionen. 1,6 Kilometer hohe Wolkenkratzer - oder die Sprengung New Yorks. Ein neuer Bildband zeigt bisher unveröffentlichte Entwürfe des Stararchitekten.

Die Luftschlösser des Frank Lloyd Wright


Von seinen Kritikern als Funktionalist verachtet, von seinen Schülern jubelnd auf Händen getragen: Heute vor 125 Jahren wurde Walter Gropius geboren. So berühmt wie seine Mitstreiter Mies van der Rohe oder Le Corbusier wurde der Bauhausgründer nie. Kein Wunder. Seine Talente lagen eher im Verborgenen

Der talentierte Mister Bauhaus


Eine gut gemeinte Idee, die sich zum sozialen Problembereich entwickelt: Am 26. November 1966 werden in Berlin die Wohnungen des neuen "Märkischen Viertels" ihren Mietern übergeben. In den Hochhäusern sollen finanzschwache Familien eine annehmbare Bleibe finden.

Idylle aus Beton


Latex-Miniröcke, Astronauten-Hüte und Kuschel-Sofas: Das Design der sechziger Jahre revolutionierte die Mode- und Möbelwelt. Das wahre Vermächtnis der Revoluzzer-Generation steht heute nicht in Schulbüchern, sondern im Schaufenster - es merkt nur fast niemand.

Die Entdeckung der Lässigkeit


Freie Liebe, lange Haare, Menschen auf dem Mond - die Sechziger gelten als das turbulenteste Jahrzehnt. Stimmt nicht, meint Pulitzer-Preisträger Fred Kaplan: Das Jahr, das alles änderte war 1959 - zehn Jahre vor Woodstock und Mondlandung.

Alles außer LSD


Dieses alte Klischee aus den Siebzigern, dass Linke Rockmusik hören und Konservative Schlagerfans sind, ist Unsinn. Einer der Lieblingssänger von Willy Brandt war Heino! Der frühere CDU-Verteidigungsminister Manfred Wörner war ein großer Rolling-Stones-Fan. In vielen deutschen Haushalten standen in den sechziger Jahren doch eine schicke Bossa-Nova-Platte, eine Scheibe von Udo Jürgens und eine LP von den Rolling Stones verhältnismäßig einträchtig nebeneinander im Regal.

Götz Alsmann


Deng-dededeng dedede-dengdengdeng dadaa-daah! Noch 35 Jahre nach Einstellung der TV-Serie "Bonanza" reicht der auf den Tisch getrommelte Titelsong, um die vier Cartwrights auferstehen zu lassen. Dabei hatte die ARD die erste Westernserie in Farbe zunächst abgesetzt - wegen zu großer Brutalität

Männerwirtschaft auf der Ponderosa-Ranch


Hafenkonzerte, Wasserstandsmeldungen und Wildfütterungen live: In der Medienwelt, die SPIEGEL-Autor Nikolaus von Festenberg als Kind prägte, waren Radio- und TV-Sendungen noch ein hoheitlicher Akt der Zuteilung - um die seltsamen Rundfunkrituale zu goutieren, war Fantasie gefragt.

Wellenritt um Mitternacht


Der Sonntagnachmittag war Rolf Hackenbergs Höhepunkt der Woche. Im Kinosessel versunken ließ sich der Junge in fremde Welten entführen - Erinnerungen an Filmvergnügen in der Vorfernsehzeit.

Roter Plüsch und Eiskonfekt


Kindermangel, Familienkrise, Werteverfall - und Schuld haben die 68er? Ein Wochenende lang haben 16 Rebellen von damals darüber gestritten, was aus ihnen geworden ist. Und warum die Gesellschaft sich völlig anders entwickelt hat, als sie sich das vorgestellt hatten.

"Wir hätten über uns selbst gelacht"


Sexsymbole der Siebziger: Trau keinem über 60

Sexsymbole der Achtziger: Gelackt, göttlich - gealtert


Das "Antiautoritäre Jahrzehnt" - so werden die siebziger Jahre heute oft genannt. Doch hinter dem klangvollen Titel verbirgt sich ein Tabu, über das kaum geredet wird: Nicht nur unsere Elterngeneration, auch wir Babyboomer waren mehrheitlich noch mit dem konfrontiert, was man verniedlichend den "versohlten Hosenboden" nannte.

Zur Freiheit geprügelt


Deutsche Einheit zementiert: Auf einer Reise durch den Osten entdeckte der Fotograf Stefan Koppelkamm 1990 Gebäude, die sowohl den Krieg als auch die Bauwut der SED-Oberen überstanden haben. Zehn Jahre später fotografierte er die Häuser noch einmal - ein Vergleich mit unerwarteten Kontrasten

Alles nur Fassade


Die Flugtickets lagen griffbereit.
"In zwei Tagen geht es los", dachte Jürgen Schulze. Nach Indien, ein lang ersehnter Urlaub. Als das Telefon klingelte, ahnte der damals 42-Jährige nicht: Die fremde Welt, die er bald kennen lernen würde, lag nur 150 Kilometer entfernt – in einer hessischen Kleinstadt. „Dein Vater!“, weinte seine Mutter am Ende der Leitung, "ich packe es nicht mehr." - Töchter und Schwiegertöchter, meist zwischen 40 und 60 Jahre alt, mit eigener Familie und Teilzeitjob mehrfach belastet, bilden bislang das Pflegereservoir der Nation. Wer aus Liebe zum Mann oder den Eltern keine Zeit habe, für sich selbst vorzusorgen, lande später als Sozialhilfefall im Heim. Das Risiko, im Alter zu verarmen, sei für Frauen ohne gute Rente und ohne Rücklagen besonders groß.

Siehe auch: Pflegefall Deutschland Alt, arm, abgehängt


113 Minuten am Tag starren die Deutschen ins Fernsehgerät (…) Sechs Monate unseres Lebens stehen wir mit dem Auto im Stau, neun Monate verbringt der Durchschnittbürger auf dem Weg zu Arbeit. 16 Monate lang putzen wir unsere Wohnung, neun Monate Zeit kostet das Waschen und Bügeln. Alles zumeist nicht sonderlich vergnüglich. Demgegenüber steht eine Reihe von Tätigkeiten, die vielen Freude bereiten, Essen zum Beispiel: Fünf Jahre. In Kneipen sitzen: Drei Monate. Ein Durchschnittswert, der uns sehr nachdenklich machte, denn er beutet, dass offenbar sehr viele bedauernswerte Menschen nie ein Bier in Gesellschaft trinken gehen. (…) Erschütternd kurz ist laut Statistik das erotische Vergnügen. Alle sexuellen Höhepunkte eines Lebens summieren sich auf 16 Stunden. Das klingt ziemlich ernüchternd. Besonders wenn man an die vielen Jahre denkt, die der Mensch mit Sehnsüchten, Liebesdramen, Enttäuschungen und zwischenmenschlichen Missverständnissen jeglicher Art verbringt.

Michael Miersch: Das erotische Vergnügen kommt viel zu kurz


Dass Geld nicht glücklich macht, ist eine altbekannte Weisheit, die auch von der Glücksforschung bestätigt wird. Selbst ein Lottogewinn kann den Glückslevel nicht dauerhaft auf hohem Niveau halten. Unser Lebensglück ist nach neuesten Erkenntnissen umso mehr durch langfristige Perspektiven bestimmt. Studienleiter Gerd Wagner beschreibt in diesem Zusammenhang soziales Engagement, einen gesunden Lebensstil, religiösen Glauben, eine emotional erfüllende Partnerschaft und einen stabilen Freundeskreis als Faktoren, die eher für ein glückliches Leben entscheidend sind, als durch Gene vorbestimmte Persönlichkeitsmerkmale wie Extrovertiertheit oder Offenheit. Abhängig ist das Lebensglück auch von der Wahl des richtigen Ehepartners. Menschen mit neurotischem Partner sind der Studie zufolge unglücklicher, als Menschen mit einem emotional stabilen Lebensgefährten. Noch unglücklicher ist, wer selbst neurotische Züge zeigt. Eine Gewöhnung an unglücklich machende Faktoren in der Ehe konnte nicht festgestellt werden. Wer darin unglücklich war, der blieb es auch.
Gisa van Lingen: Wie man wirklich glücklich wird


Unsere Konsum- und Marktwirtschaft beruht auf der Idee, dass man Glück kaufen kann, wie man alles kaufen kann. Und wenn man kein Geld bezahlen muss für etwas, dann kann es einen auch nicht glücklich machen. Dass Glück aber etwas ganz anderes ist, was nur aus der eigenen Anstrengung, aus dem Innern kommt und überhaupt kein Geld kostet, dass Glück das "Billigste" ist, was es auf der Welt gibt, das ist den Menschen noch nicht aufgegangen.

Erich Fromm


Insgesamt, schätzt die Welternährungsorganisation FAO, wird weltweit ein Drittel aller Lebensmittel weggeworfen, pro Jahr etwa 1,3 Milliarden Tonnen. In Entwicklungsländern verderben Obst, Gemüse und Fleisch vor allem, weil es an Know-How und technischer Ausstattung für die Ernte, den Transport und die Lagerung fehlt. In reicheren Ländern werden auf allen Stufen der langen Kette von Anbau und Zucht bis zum Verbraucher Lebensmittel weggeworfen - obwohl sie noch genießbar wären. Das hat auch Regisseur Valentin Thurn beobachtet, der in seinem Film „Taste the Waste“ das ganze Ausmaß der Lebensmittel-Verschwendung rund um den Globus zeigt. „Am schockierendsten fand ich, dass ein Bio-Kartoffelbauer aus Westfalen, also hier bei uns vor der Tür, 40 bis 50 Prozent seiner Kartoffeln auf dem Feld liegen lässt, weil sie zu groß sind oder zu klein. Der Handel würde sie ihm nicht abnehmen - aus rein optischen Gründen“

David Klaubert: Die große Verschwendung


Obwohl die Bewohner der G-8-Länder im weltweiten Vergleich durchschnittlich über das meiste Geld verfügen und keinen Hunger leiden müssen, sind sie trotzdem nicht wirklich glücklich – im Gegenteil: „Sie gehören einer Untersuchung der New Economics Foundation zufolge zu den traurigsten der Welt“, sagt Glücksforscher und Psychiater Mathias Berger vom Uniklinikum Freiburg. Denn ab einem Pro-Kopf-Einkommen von mehr als 20 000 Dollar im Jahr (rund 13 900 Euro) habe die Einkommenshöhe keinen Einfluss mehr auf das Glücksempfinden. Nur in sehr armen Ländern sei der Einkommenszuwachs ein entscheidender Überlebens- und Glücksfaktor.

Steckbrief eines Hochgefühls


Der Niederländer Professor Ruut Veenhofen (Erasmus Universität, Rotterdam), ein Experte auf dem Gebiet der Positiven Psychologie, definiert Glück als "subjektive Wertschätzung des Lebens" und hat die Frage "Wie zufrieden sind Sie, alles in allem, zurzeit mit ihrem Leben als Ganzes?" in 148 Nationen gestellt. Spitzenwerte auf der bis zehn reichenden Skala des Glücksmonitors erzielten dabei Costa Rica (8,5) Dänemark (8,3), Kanada und Schweiz (je 8,0). Am wenigsten glücklich sind die Menschen in Togo (2,6), Tansania (2,6) und Simbabwe (2,8). Deutschland liegt mit 7,1 Glückspunkten im oberen Fünftel - punktgleich mit Nicaragua und deutlich hinter Mexiko.

Rezepte für den Weg zum ultimativen Glück


Die Deutschen haben selbst in der Krise Milliarden für gute Zwecke ausgegeben, zeigt eine neue Studie.
Erstmals bringt sie ans Licht, wer hierzulande spendet – und warum. Grundsätzlich gilt: Wer mehr verdient, ist oft auch großzügiger. Für die Studie unterteilten die Forscher die Einkommensbezieher in zehn Klassen, so genannte Dezile. Wer im oberen Zehntel landet, darf sich rein statistisch zu den reichsten Menschen im Land zählen, im untersten Dezil sind die kleinsten Einkommen zusammengefasst. Die Forscher können nun zeigen, dass die Bürger einen größeren Anteil ihres Einkommens spenden, je mehr sie verdienen: Am unteren Rand gaben sie 0,1 Prozent für wohltätige Zwecke, am oberen Rand immerhin 0,6 Prozent. Die Spitzenverdiener spendeten im Jahr 2009 rund zwei Milliarden Euro. Das entspricht mehr als einem Drittel des gesamten Spendenaufkommens in diesem Jahr.

Philip Faigle: Spender sind glücklichere Menschen


Im Ausland taucht man früher oder später in die Gastgeberkultur ein. Man lernt Neues und gibt ein bisschen von seiner Herkunft ab. Das heißt nicht, dass man die alte Heimat verleugnet. Das geht gar nicht, selbst wenn man es wollte. Ich habe als Ausländer tüchtig Englisch gelernt, eine Selbstverständlichkeit. Aber selbst nach vielen Jahren war mein „good morning“ noch so hörbar eingewandert, dass man mich nach nur diesen zwei Wörtern oft fragte: Wo kommen Sie her? Man verändert sich und bleibt, wer man ist. In aller Welt gibt es Abermillionen Menschen, die sich an eine neue Heimat anpassen, ohne ihre Geburtskultur zu vergessen. Das ist nicht immer leicht, aber es ist eine der gängigsten Übungen modernen Lebens.

Rainer Bonhorst


Was wir am nötigsten brauchen ist ein Mensch, der uns zwingt, das zu tun, was wir können.


Ralph Waldo Emerson


Ehe ein Mann anfängt, seine Feinde zu lieben, sollte er seine Freunde erst einmal besser behandeln

Mark Twain


Toleranz hilft nur den Rücksichtslosen !

Henryk M. Broder


Unsere äußeren Schicksale interessieren die Menschen, die inneren nur den Freund.

Heinrich von Kleist


Man wird in der Regel keinen Freund dadurch verlieren, dass man ihm ein Darlehen abschlägt, aber sehr leicht dadurch, dass man es ihm gibt.

Arthur Schopenhauer


Wenn Liebe in Freundschaft übergeht, kann sie nicht sehr groß gewesen sein.

Katharine Hepburn


"Wir halten uns die ganze Zeit zurück, bis wir ein Mädchen treffen und denken, wie idiotisch wenn ich dieses Mädchen jetzt nicht heiraten würde." Frauen suchen dagegen ihr ganzes leben lang nach ihrem Märchenprinzen um am Ende einen Typen zu heiraten, der einen guten Job hat und bei ihnen bleibt. "Als würden sie sich nur für sie beste Option entscheiden."

"Dean" im Film: "Blue Valentine" siehe auch Rezension von Tobias Rüther in der F.A.Z und "Vom Verfall der Liebe"


Loki Schmidt:
Nach dem Überfall auf die Botschaft von Stockholm sind Helmut und ich im Dunkeln durch den Park gegangen. Nachdem wir uns über diese Sache unterhalten hatten, fassten wir den Entschluss: Wir gehen morgen zum Kanzleramtschef und lassen schriftlich niederlegen, dass der eine nichts Besonderes tun dürfe, um den anderen zu retten. Helmut Schmidt: Wenn du schon darüber redest, dann musst du es auch exakt sagen. Dieser Vermerk muss heute noch in den Akten des Kanzleramts sein. Darin ist festgehalten: Falls Frau Schmidt oder Herr Schmidt gekidnappt werden sollte, soll der Staat nicht austauschen.

"Ich bin in Schuld verstrickt"


Es gibt ein sehr schönes Buch von George Perec, es heißt „Träume sind Räume", darin steht: „Ich möchte, dass es dauerhafte, unbewegliche, unantastbare, unberührte und fast unberührbare, unwandelbare, verwurzelte Orte gibt; Orte, die Empfehlungen wären, Ausgangspunkte, Quellen: meine Heimat." Nach diesen Orten suchen wir ein Leben lang und finden sie doch nur in unseren Gedankenwelten.
Die Freundin sagt: „Ich will das Bild von meiner Oma bewahren." Sie hatte nur noch die eine und die Brutalität der Altersheimwirklichkeit beschädigte ihre Erinnerungen. Die Frau, die im Rollstuhl saß, hatte wenig mit der selbstbewussten, scharfsinnigen, warmen Großmutter zu tun, die sie kannte. Sie war tatsächlich ein Insasse, ein Häufchen Elend, todessehnsüchtig, unglücklich, dass es schmerzte. Ihr Leben hing lediglich noch in Form von Fotos an den Wänden, ansonsten war es verloren. Die Möbel, ein Großteil ihrer „Identitäts-Ausrüstung", standen aus Platzgründen in der Wohnung der Freundin. Der Großmutter waren wenige Kleinigkeiten geblieben, zum Beispiel die Porzellanhunde oder jener Plastikweihnachtsbaum, der nur so hoch wie ein Buchrücken ist.

Das Essen im Heim wurde in Ostdeutschland gekocht, verpackt und dann in einem Lastwagen angekarrt. Häufig gab es Steckrüben, die so übel rochen, dass sich der Freundin der Magen umdrehte. Sie schmeckten auch scheußlich. Die Großmutter wartete auf den Tod. Das Warten auf den Tod zählt zu den Hauptbeschäftigungen in Altersheimen, weshalb man sie so ungern betritt. Es sind Sterbehäuser. Das Ende steht einem direkt vor Augen. Die Insassen vegetieren dahin, entsorgt wie defekte Geräte. Die Großmutter hatte objektiv betrachtet Glück: sie gehörte nicht zu den ausrangierten Menschen, sie bekam beinahe täglich Besuch, vom Sohn oder der Schwiegertochter. Sie war, wie man sagt, noch fit im Kopf, löste Kreuzworträtsel, kannte die Bundesligaergebnisse und wusste jedes Detail der Affäre Guttenberg. Das Heim zählte auch nicht zu jenen Anstalten, in denen sich Demenzkranke in Besenkammern verirren und sterben, weil ihr Fehlen niemand bemerkt hat. Trotzdem war die Großmutter untröstlich. Das Heim stahl ihr die Würde.

Die Freundin sagte: „aber es doch ganz schön hier. Du hast ein eigenes Zimmer. Es ist ruhig. Und dann der Blick auf den Fluss." Sie wusste, das war blanker Hohn. Wie alle Insassen war ihre Großmutter dem Personal ausgeliefert, abhängig von dessen Zeit und Laune. Dieses Ausgeliefertsein ist deshalb so grausam, weil es am Ende die kleinen Irrtümer sind, die täglichen Erniedrigungen, die einen Menschen zerbrechen. Einmal wurde die Großmutter nach dem Baden mit Duschgel eingerieben, angezogen und in den Rollstuhl gesetzt wie ein Kind, das sich nicht wehren kann. Ihr Körper juckte, es interessierte niemanden. Ein anderes Mal sagte ein Pfleger: Stehen sie mal auf. Er hatte vergessen, dass sie halbseitig gelähmt war. Später schob er sie im Rollstuhl ungeschickt um die Ecke. Die Wunde an der rechten Hand war groß. Der Sohn tobte, als er am nächsten Tag kam, der Pfleger sagte: „so was passiert." Irgendwann erklärte die Großmutter der Institution den Krieg und verweigerte häufig das Essen. Sie nahm ab, zehn Kilo, fünfzehn. Ihre Knochen schimmerten durch die weiße Haut. Mit der Zeit verschwand sie mehr und mehr in ihrem Rollstuhl, als wolle sie sich in Luft auflösen. Aber ihr Händedruck war warm und zart wie früher.

Das Schrecklichste, sagt die Freundin, sei das Gehen gewesen, das Umarmen der Großmutter zum Abschied und dann das Schließen der Tür. Als verrate man einen geliebten Menschen. Der Verrat hat ein Ende. Ihre Großmutter ist tot.

Gastbeitrag von Melanie Mühl im F.A.Z. Blog "Stützen der Gesellschaft"


Sven Kuntze ist vielen ein Begriff aus der preisgekrönten Reportage "Alt sein auf Probe", in der der ARD-Moderator in ein Seniorenheim einzog, um sich auf seinen Lebensabend vorzubereiten. Nun erscheint sein
erstes Buch. (…) Kuntze hat gut recherchiert, Einblicke in das Leben von noch älteren Menschen in einem Kölner Altenheim gewonnen. Auch in den USA hat er sich umgeschaut, wo er auf deutlich fröhlichere Senioren traf. Schließlich hat er bis zum letzten Tag seine Mutter begleitet. Kuntzes Überlegungen umkreisen den ganzen Menschen, lassen weder Äußerlichkeiten noch Befindlichkeiten aus. Die Sehnsucht ist sein Thema wie auch die Sexualität. Sorgen hat einer wie Kuntze offenbar kaum im Leben gehabt, insofern ist er typischer Vertreter der von Frieden, sozialer Sicherheit und zunehmendem Wohlstand verwöhnten Generation. Die Abrechnung mit dieser Generation fällt nicht so gnädig aus. Die 68er wie er sind Ichlinge, schreibt er, die viele Schulden und wenige Kinder hinterlassen. Die sich der Zukunft nicht gestellt haben und egoistisch Selbstverwirklichung betrieben.

Frage: Welche Erlebnisse haben Sie bei Ihren Altenheim-Reportagen besonders überrascht und nachdrücklich beeinflusst?

Kuntze: Der Mut, die Würde und die Disziplin, mit der die alten Menschen ihre letzten, oft leidvollen Jahre ertragen haben. Wer Helden sucht, findet sie dort.

Annette Bosetti: "Das Thema des Alters ist Verlust"


Als der Macher [Steve Jobs] aber merkt, dass ihm die Zeit davonläuft, beginnt er, Leute zu sich einzuladen, die er vor seinem Tod ein letztes Mal zu sehen wünscht. In seine Villa nach Palo Alto pilgerten dann die Menschen, die Jobs etwas bedeutet hatten - auch seine größten Konkurrenten. Bill Gates blieb drei Stunden, der einst reichste Mann der Welt sprach mit dem größte Innovator seiner Zeit über die Vorzüge des Familienlebens und das Glück, die richtige Ehefrau gefunden zu haben. Gates erinnert sich in Isaacsons Biografie, die jetzt in den USA erscheint, dass die beiden Männer während ihres letzten Treffens viel gelacht hätten. Gates sagt, er sei mit Jobs einer Meinung gewesen, dass der berufliche Erfolg ihren beiden Ehefrauen, Melinda und Laurene, zu verdanken sei. "Sie bewahrten uns davor, völlig abzudrehen."

Jobs bereute alternative Krebstherapie


Der Tod ist der Katalysator des Wandels. Er räumt das Alte weg, damit Platz für Neues geschaffen wird

Steve Jobs


Thomas Landrock vom Krematoriumshersteller IFZW (»High Quality made in Zwickau«) ist ein sanfter Mann Anfang 30. Er erklärt die
Vorzüge einer Feuerbestattung: In anderthalb Stunden ist alles vorbei, Würmer brauchen hundert Jahre! Heute sieht man auch keinen Rauch mehr. Schon wendet er sich zu einem Lesepult, darauf technische Zeichnungen: »Und hier fährt der Sarg dann ein.« Die Sargeinfahrmaschine beeindruckt nicht wenig, ebenso die saugseitige Reingasleitung, mit der das Feuer im Ofen entfacht wird. »Am Ende können Sie aus der Asche des Verstorbenen sogar Bleistifte machen oder Feuerwerk oder einen Diamanten.« Kohlenstoff, ein wandelbares Element!

Ein schöner Beruf


Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Reinhold Niebuhr