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Um uns tiefen eigenen Ängsten nicht stellen zu müssen, setzen wir uns bereitwillig jenen Ängsten aus, die durch das permanente Alarmieren und Katastrophisieren vieler Medien heraufbeschworen werden. In der medialen Dauerhysterie werden immer neue tödliche Gefahren in allen Details und Spielarten vorgeführt: Epidemien, Terrorismus, Unfälle und auch die einfallsreiche Grausamkeit der Bestie Mensch. Das Fernsehen ist, zumindest in weiten Programmteilen und für sensiblere Gemüter, eine Schule der Angst.

Heiko Ernst


Geben Schwangere emotionale Erfahrungen ans ungeborene Kind weiter? Eine Studie zeigt: Die Genaktivität bei Teenagern ist verändert, wenn die Mutter in der Schwangerschaft Opfer häuslicher Gewalt wurde.
Die früh erlebte Bedrohung könnte das Verhalten des Nachwuchses ein Leben lang beeinflussen.

Misshandelte Mütter bekommen ängstliche Kinder


Sie kann lähmen und krank machen, aber auch inspirieren und beflügeln: Langzeitstudien von Psychologen und Hirnforschern haben ergeben, wie stark die Angst unsere Persönlichkeit prägt. Schon im Kindesalter zeigt sich, wie furchtsam ein Mensch später durchs Leben geht...

Lob der Angst


Dass die Liebe blind macht, weiß der Volksmund. US-Forscher haben nun aber noch ganz andere Eigenschaften herausgefunden: Gedanke an den Liebsten oder die Liebste aktivieren nämlich Areale in unserem Gehirn, die für die Belohnung zuständig sind - und Schmerzen vertreiben. Die Mechanismen sind vergleichbar mit denen bei der Einnahme schmerzlindernder Medikamente, Opium oder Kokain.

Liebe macht schmerzfrei


Wer zuviele Jahre darauf wartet, das ihn jemand nach seiner Geschichte fragt, beginnt die Menschen zu hassen.


Ist der Beruf für jemanden Berufung, also eine Tätigkeit, die er um ihrer selbst willen ausführt, dann stehen die Chancen gut, dass er auch sonst ein glücklicher Mensch ist. Wesentlich schlechtere Karten haben nach Ansicht der Glücksforscher diejenigen, die lediglich arbeiten, um Geld zu verdienen - und in der Freizeit Erfüllung suchen. Auch wer sich vor allem um seiner Karriere willen plagt, also irgendwann irgendwo hinkommen will, sollte sich davon nicht allzu viel Glückseeligkeit versprechen. Ein engagiertes, tätiges Leben verhilft nach Ansicht der Forscher meist zu wesentlich mehr Zufriedenheit als Genussorientierung oder die Sinnsuche beim nächsten Guru

Maxeiner und Miersch


Emotionen werden im Alter immer wichtiger. Wir interessieren uns zunehmend für den Austausch von Gefühlen, abnehmend für den von Informationen. Logisch, denn es findet im Laufe des Lebens eine Saturierung an Information statt. Zärtlichkeiten und Körperkontakt werden auch deshalb immer bedeutender, weil sie im Alter nicht mehr selbstverständlich sind.

Heiko Ernst


Sie denken an den Satz: Form follows function. Aber der ist oft missverstanden und aus dem Zusammenhang gerissen worden. Sie dürfen ihn nicht oberflächlich als Gestaltungsanspruch, sondern müssen ihn als zugrunde legendes Prinzip verstehen. Der Satz ist aus der Beobachtung der Natur abgeleitet und aus der Erkenntnis, dass in der Natur die Form immer der Funktion folgt. Das entscheidet über die Überlebensschance einer Art. Form ever will follow function (…) Der gute Designer kann sichtbar machen, was Technik im Hier und Jetzt vermag. Er schält heraus, was wirklich möglich ist. Das ist wie bei guter Musik. Ein genialer Musiker kann Dinge hören, die kein anderer hören kann, aber mit dem, was er tut, inspiriert er andere, die weniger kreativ sind.

Apple-Designer Hartmut Esslinger


Dringen Stimmen und Musik zwangsläufig ins Bewusstsein und "zerbrechen " dort die Gedanken, wie der Philosoph Schopenhauer (1788 - 1860) beklagte? Wer vom ständigen Handy-Gequassel und der Hintergrundmusik in Geschäften und Fußgängerpassagen genervt ist, wird dem ohne Zögern zustimmen. Tatsächlich hat Lärm vielfältige Wirkungen, wie Forscher in den letzten Jahren herausfanden. Er kann nicht nur die Kommunikation beeinträchtigen, sondern auch emotional belasten, den Blutdruck in die Höhe treiben und langfristig sogar Herz-Kreislauf- Beschwerden verursachen. Wie psychologische Experimente außerdem zeigen, beeinflussen be- stimmte Geräusche auch unsere geistigen Leistungen auf negative Weise.

Wenn Geräusche bloß noch nerven


das Auto ist ein ideales Accessoire für sehr reiche Menschen, sich von den weniger Begüterten abzusetzen.
Während der Durchschnittsbürger Massenware vom Band fährt, können schwerreiche Profilneurotiker zeigen, was geht, wenn man nur genügend Geld in die Hand nimmt. Sie werden bedient von kreativen Tuning-Spezialisten, die praktisch keine Hemmungen kennen. Ein paar besonders bemerkenswerte Exemplare werden hier vorgestellt.


In der Kunst gibt es kein juste milieu. Man muß sich für rechts oder links entscheiden.
Wenn es ein juste milieu gäbe, so wäre das die Vollkommenheit selbst, und die Vollkommenheit existiert nirgendwo. Es gibt nichts absolut Vollkommenes.

Nicolas Toussaint Charlet


Kunst erkennt man daran, daß sie stumm macht.

Siri Hustvedt


Mag sein, dass ich da falsch liege, doch mit Picasso endet das, was ich unter Kunst verstehe. Inhalt, Botschaft, Verständlichkeit. Ein Gemälde, das man erklären muss, ist meiner Ansicht nach kein Gemälde."

Franco Maria Ricci, Kunstsammler


Es gibt Sammlungen von Kunstwerken, die weder eine Leidenschaft, noch einen Geschmack, noch eine Intelligenz verraten, nur den brutalen Geschmack des Reichtums.

Edmond Huot de Goncourt


Das Kunstsystem ist, ebenso wie das Wirtschaftssystem, schon lange in einen absurden Wettlauf der Selbstübertreibung eingetreten. Dieser Wettlauf führt einerseits zu immer überspannteren Formen und tritt andererseits merkwürdig auf der Stelle. Duchamps Ausstellung eines Urinals aus dem Jahr 1917 (Fountain) und Zhu Yus Aktionen decken gleichermaßen durch ihren Vor-den-Kopf-stoß-Effekt mehr zu als sie erhellen. Moderne Kunst ist genau wie moderne Wirtschaft, modernes Recht, moderne Erziehung, moderne Medizin, modernes you name it, in seiner Funktionalität problematisch und fragwürdig geworden. (...) Und die Voraussetzungen für ein angemessenes Kunstverständnis sind heute so hochgetrieben, dass einem Durchschnittspublikum kunstmäßig immer ein X für ein U vorgemacht werden kann

Jochen Venus


Auf den großen New Yorker Herbstauktionen wird eine halbe Milliarde Dollar für Kunst ausgegeben. Warhols Coca-Cola-Flasche wechselte für 35 Millionen den Besitzer (> Quelle) Von der Überschwemmungskatastrophe in Pakistan sind rund 20 Millionen Menschen betroffen. Pro Flutopfer wurden 3,20 Dollar an Hilfe zugesagt. (> Quelle)


Eine junge dänische Künstlerin, Nadia Plesner, auf Picassos Spuren: Ihr Monumentalgemälde "Darfurnica" erzählt vom Völkermord im Sudan: Es begann mit einer Meldung über den Krieg in Darfur, die sie in einer holländischen Zeitung fand: einspaltig, zehn Zeilen lang.Daneben stand ein ausführlicher Bericht über die Leiden von Paris Hilton, die eine kurze Strafe wegen Drogenbesitzes absitzen musste. “Ich konnte es nicht fassen. Hier ein paar Zeilen über einen Völkermord, da eine ganze Seite über ein Party-Mädchen.”

Henryk M. Broder: "Leute, vergesst Paris Hilton, schaut nach Darfur!"


Herr Kohlhaas, bei einem Vortrag in Dubai haben Sie unlängst zwei Dias an die Wand geworfen: erst eine Aufreihung ikonischer Wolkenkratzer, die Sie selbst, Zaha Hadid und andere Stararchitekten entworfen haben - und dann eine Sammlung von Hochhäusern, deren Schöpfer unbekannt sind. Die Bilder sahen sich zum Verwechseln ähnlich.

Der Spiegel: Zwang zum Spektakel


„Von der Stärke verlangen, dass sie sich nicht als Stärke äußere, dass sie nicht ein Durst nach Feinden und Widerständen und Triumphen sei, ist widersinnig“, hat Nietzsche geschrieben. Was aber, wenn Stärke nicht erwünscht ist? Wenn Bescheidenheit, Verachtung des kommerziellen Erfolgs durch diejenigen, denen er nicht beschieden ist, zum Leitbild eines kulturellen Milieus wird? Erfolg mit gutem Gewissen und folglich gutem Leben gab es für Eichingers Generation eigentlich nur, wenn sie irgendwie und irgendwo sich einer konformistischen linken Ideologie verschrieb. (...) Eichingers bürgerliches Erfolgsethos war unpolitisch. Er hat lange geglaubt, was wir in der Schule lernen: dass man die Leute mit guter Arbeit überzeugen kann. Wer eine Eins schreibt, wird nicht vorgeführt. Gerade ihm war völlig rätselhaft, dass Anerkennung verweigert werden kann. Denn keiner konnte sich so sehr am Erfolg anderer freuen wie Bernd Eichinger. Aus irgendeinem Grund war das Neid-Gen bei ihm ausgeschaltet. Deshalb aber traf ihn Missgunst, auch nach Jahrzehnten des harten Trainings, stets völlig unvorbereitet. Er konnte den Affekt überhaupt nicht begreifen.

Frank Schirrmacher im Nachruf auf Bernd Eichinger


Heutige Jugendliche müssen darüber lachen, dass ich beim ersten Besuch des heimatlichen Zimmers einer Freundin oder eines Freundes die erste halbe Stunde auf dem Boden vor dem Plattenregal liegend verbrachte („Die ganzen Foreigner-Platten sind aber von deinem Vater, oder?“), denn heutzutage kennt man den Musikgeschmack des Anderen durch diverse soziale Netzwerke noch vor dem ersten Treffen. Die vererbte Musik der Eltern, den vielleicht etwas peinlichen Ausrutscher oder im Liebesrausch erstandene Fehlkäufe wird man vielleicht auf last.fm vergeblich suchen – zum Glück, mag man in vielen Fällen meinen und diesen Umstand gut verkraften können, doch in anderen Bereichen wiegt die Verlagerung von Kultur ins Netz etwas schwerer. Denn unsere Klein- und Groß-Computer sind Privatsphären und digitale Brieftaschen, unsere Playlists Ausdruck intimer Stimmungen, die Einkaufsliste beim Online-Store beinhaltet unseren Geschmack in allen möglichen Bereichen ebenso wie die Geschenke für Oma, und was wir davon wirklich teilen wollen, und vor allem: mit wem, das bestimmen wir selbst immer gewissenhafter und (selbst)bewusster und überlassen dabei ungern etwas dem Zufall. Dabei komplettiert Zufall das Leben. Und wir teilen dabei manchmal mehr mit unseren Online-Freunden als mit denen, die direkt neben uns sitzen. (...) Ich schaue nach, wie spät es ist: iPhone. Wie wird das Wetter heute? iPhone. Gibt es bei Spreeeblick Kommentare, auf die ich reagieren sollte? iPhone. Oh, ein nettes Fotomotiv! iPhone. Warte, ich notiere mir das kurz! iPhone. Wie komme ich jetzt am schnellsten dahin? iPhone. Wann fährt die nächste Bahn? iPhone. Ich lese gerade dieses Buch… iPhone. Kennst du diesen Film schon? iPhone. Das neue Album von… iPhone. Egal, ob iPhone oder Android oder Laptop oder wasweißich:
Unsere Kommunikationsgeräte bieten unendlich viele Möglichkeiten und ganz abgesehen davon, dass wir entsetzlich bescheuert aussehen, wenn wir die ganze Zeit auf unsere Hände starren (noch dazu, wenn wir uns in Gesellschaft befinden und dabei niemand redet, aber alle auf ihren Tasten rumdrücken)


Spreeblick: Bytes statt Billy: Wenn Kultur unsichtbar wird


Mag die Supermacht des Westens auch wanken, diese Kulturleistung wird bleiben: So, wie uns die griechische Antike die Tragödie gegeben hat und das römische Imperium das Recht, so wird von Amerika Hollywood bleiben, und das ist nur ein anderes Wort dafür, dass sich das Leben in einen anrührenden oder optimistischen Traum verwandeln lässt.

Matthias Matussek: Im Kino gewesen. Geweint.


Hätte es den Holocaust nicht geben, dann hätte das ehemalige Waffen-SS-Mitglied Günter Grass niemals „Die Blechtrommel“ geschrieben und somit vermutlich auch nie den Nobelpreis für Literatur erhalten. In 55 Jahren von der SS zum Nobelpreis, das schafft nur Günter! Volker Schlöndorff hätte somit auch niemals „Die Blechtrommel“ verfilmen können und daher nie den Oscar für diesen Film erhalten. So gut wie alle Oscars für den deutschsprachigen Raum sind Resultate der Vergangenheitsbewältigung: Volker Schlöndorffs „Die Blechtrommel“, Caroline Links „Nirgendwo in Afrika“ und Christoph Waltz Oscar für die Rolle eines Nazis. Obwohl sie somit alle dem Holocaust ihren Oscar zu verdanken haben, haben sie sich nicht bei dem Holocaust bedankt. Der dritte aller Oscar-Filme aus Deutschland, nämlich Florian Henckel von Donnersmarcks „Das Leben der Anderen“ bewältigt ebenfalls eine deutsche Diktatur, in diesem Fall allerdings die DDR-Diktaur. Deutschlands heutiger Erfolg beruht somit zum großen Teil auf Vergangenheitsbewältigung. Wenn es eine Holocaust-Industrie gibt, dann ist der Hauptaktionär Deutschland! Wer einmal in Berlin war und sich in den Hotels die Reiseführer angeschaut hat, erkennt sofort, woran Berlin verdient: Third Reich Tour und Hitler’s Berlin sind die wohl beliebtesten Stadtführungen.

Gerd Buurmann


ZEIT: [Herr Kreisler] Was an Ihnen ist typisch jüdisch? - Georg Kreisler: Man geht durchs Leben und fühlt sich in gewisser Weise verfolgt. Ich war mir immer darüber im Klaren, dass es überall Antisemitismus gibt. Und ich stoße bis heute immer wieder darauf.
Als ich nach Amerika kam, war es noch ganz legal, Tafeln vor Restaurants aufzustellen: »Nur für Arier«. Das ist erst in den fünfziger Jahren abgeschafft worden. Auch in amerikanischen Nachtlokalen wurde ich als Pianist nicht genommen, denn sie wollten keine Juden. Das prägt die Mentalität eines jungen Mannes.

"Man schreibt Böses, um Gutes zu bewirken"


Smartphones, DSL-Modems, Router - das ist alles noch viel zu kompliziert zu bedienen. Deshalb braucht der Fortschritt die Idioten: Sie meckern laut und zurecht über die Macken der Technik und doch kaufen sie die neuesten halbfertigen Produkte. Ohne Idioten keine Innovation (…) Auf den Schultern dieser Idioten ruht der Erfolg der inzwischen mit 320 Milliarden Dollar wertvollsten Technologiefirma der Welt, und nicht nur Apple ist von solchen vorschnellen, unvernünftigen, werbegläubigen, unsachverständigen Idiotenkunden abhängig. Die zweite idiotische Grundeigenschaft bildet den gesellschaftlichen Nutzen der Idioten. Es ist ihre unermüdliche, unbewusste Suche nach den jeweils dümmstmöglichen Handlungen. Ihre flache Verstandeskraft führt dazu, dass Idioten eine ständige Prüfung für die von ihnen benutzten Technologien darstellen. Fehlverwendungen, die ein Ingenieur nicht einmal unter LSD imaginieren könnte, gehen ihm ganz einfach nebenbei von der Hand, während er den leeren Akku in der Mikrowelle wieder aufladen will.

Sascha Lobo


Kurt Tucholsky, der große Feuilletonist der Weimarer Republik, hat schon 1927 in seinem „Traktat über den Hund, sowie über Lärm und Geräusch“ gefleht: „Lieber Gott, gib mir den Himmel der Geräuschlosigkeit. Unruhe produziere ich allein. Gib mir die Ruhe, die Lautlosigkeit und die Stille. Amen.“ – Im großen Stil setzt sich die Neu-Berliner Lärmwirtschaft vor allem dort durch, wo die Verramschung des öffentlichen Raums besonders weit fortgeschritten ist: rund um den Schlossplatz, am Brandenburger Tor und am Gendarmenmarkt. Ob Panflötencombo, Hiphopper oder Saxophonsolisten – Hauptsache, es kommt keine Sekunde sinnloser Stille auf.

Reinhard Mohr: Berlin ist eine Zumutung, ein Alptraum, die Hölle


Wo das Obst aus dem eigenen Garten kommt, scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Doch die meisten Städter wissen nicht, was sie auf dem Dorf erwartet. Wer einmal alle aktuellen Zeitschriften kaufen will, die sich der Sehnsucht nach dem Leben auf dem Lande widmen, der braucht einen starken Arm. Man nehme LandLeben, LandIdee, LandSpiegel, Liebes Land, Mein Schönes Land, Hörzu Heimat, schnell wächst der Stapel, und zuoberst liegt das populärste Idyllmagazin. (...) Ein wenig Marktforschung: Von den 82 Millionen Menschen in Deutschland (2008) leben 60 Prozent in Groß- und Mittelstädten (»Stadt«), 40 Prozent in Kleinstädten und Dörfern (»Land«). Fragt man alle, wer auf dem Land wohnen möchte, wie es das Bundesinstitut für Bau, Stadt- und Raumforschung vor zwei Jahren getan hat, kommt man auf 53 Prozent.

Ulrich Stockk: Landlust, Landfrust


Es gibt einen Punkt, an dem wir uns entscheiden müssen. Naturbelassenes Fleisch von Tieren, die ein gutes Leben geführt haben, Fleisch, das niemanden krank macht oder vergiftet, dazu noch billig und massenhaft – das können wir vergessen. Niemand, der in den letzten Monaten mit einem halboffenen Auge auf eine Zeitung oder einen Bildschirm geschielt hat, kann ignorieren, dass in der Fleischindustrie etwas schiefläuft.

Theresa Bäuerlein: Wir müssen nicht alle Vegetarier werden


Milchkühe, die nicht mehr rentabel sind, werden getötet. Sie werden ebenso geschlachtet wie andere Nutztiere auch, sobald sie ihren Zweck nicht mehr erfüllen. Die durchschnittliche Milchkuh ist nach meinem Wissen zum Zeitpunkt ihrer Schlachtung sechs Jahre alt. Die natürliche Lebenserwartung einer Kuh beträgt aber 20 bis 25 Jahre. Legehennen werden in speziellen Kükenbrütereien gezüchtet. Die Krux daran: Die Hälfte der Küken ist männlich. Da die Zuchtlinie auf hohe Eierproduktion und nicht auf Fleischansatz ausgelegt ist, taugen diese Hähne nicht einmal als Broiler. Entsprechend werden sie schon als Küken entweder vergast oder zerschreddert. In Deutschland sind es nach meinen Informationen 40 bis 50 Millionen Küken pro Jahr, die auf diese Weise umkommen.

Dennis Schüßler: Auch durch Vegetarismus sterben Tiere


"Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne!", hatte der große deutsche Philosoph des Idealismus gefordert. Zugegeben: Tiere fielen nicht unbedingt unter dieses Prinzip. Als Kant sich durch das ständige Krähen eines Hahns in seiner unmittelbaren Umgebung gestört fühlte, kaufte er seinem Nachbarn das störrische Federvieh ab und ließ es umgehend in den Kochtopf expedieren.

Reinhard Mohr: Die Befreiung der Menschheit aus dem Geist der Gemüsepfanne


Heute muss keiner mehr zur Armee, dafür klagt jeder dritte Deutsche über Atemwegsallergien. Mit denen, die empfindlich auf Nahrungsmittel, Medikamente oder Insektengift reagieren, die unter Kontaktallergien und Neurodermitis leiden, kommen Forscher locker auf 50 Prozent der Bevölkerung. Es gibt inzwischen sogar Tage, da höre ich mich öfter "Gesundheit" sagen als "Schnauze Wessi!". Und das kann, bei aller Freude über 20 Jahre Deutsche Einheit, auch nicht gesund sein.(...) Nur damit das klar ist: Ich möchte keinesfalls die DDR-Zahnarztbohrer, andere Verbrechen des Regimes oder gar die Menschenversuche westdeutscher Pharmakonzerne an ahnungslosen Zonis relativieren. Aber seltsam ist schon, was für seltsame Krankheiten hier neuerdings wüten. Plötzlich bekommen Freunde in meinem Alter einen Herzinfarkt und ihre Kinder ein Attest, weil sie nicht auf Anhieb richtig lesen und schreiben können. Nach Angaben der Vereinten Nationen geht die Zahl der HIV-Infektionen weltweit zurück, aber im Osten Deutschlands steigt sie weiter. Etliche Landsleute sterben immer noch in viel zu schnellen Autos, andere in Afghanistan. Manche reden den ganzen Tag von bisher unbekannten Krankheiten wie Anthroposophie, Antriebs- und Langzeitarbeitslosigkeit. Bei einigen Frauen überlagern sich diese Symptome sogar, dann machen sie eine Heilpraktikerausbildung. Mit jedem jungen Republikflüchtling steigen prozentual die Demenzerkrankungen. Viele Menschen sind so traurig, dass sie ihr Leben in Demokratie und Freiheit am liebsten für immer vergessen würden. Andere wiederum haben vergessen, wie traurig es vorher war.

Holger Witzel: Der Westen macht krank


- Seit ich in Amerika bin, habe ich wieder angefangen, ins Theater zu gehen! Hier wollen Regisseure und Schauspieler nämlich noch ganz altmodisch Geschichten erzählen, und sie sind sich nicht zu gut dafür, die Stücke, die sie zur Aufführung bringen wollen, erst mal zu lesen ...

Hannes Stein


Wie lässt sich ein Plagiat verschleiern?
Anhand der Dissertation von Dr. Bernd Althusmann werden an prägnanten Beispielen vier Verfahren dargestellt, mit denen der Verfasser den Leser über seine eigene wissenschaftliche Leistung im Unklaren lässt. [3.113 KB]

Martin Spiewak: Uni-Gremium will den Fall Althusmann prüfen


Es existiert keine absurde These, für die sich nicht jemand mit einem akademischen Titel findet.


Noch vor zweihundert Jahren wurde jeder, der die Existenz Gottes leugnete, als abgedrehter Spinner bezeichnet. Inzwischen halten 54 Prozent der Deutschen Gott für einen tschechischen Schlagersänger. Gleichzeitig flüchten sich viele in Ersatzreligionen. Sinnsuchende Akademiker lassen sich von Kinesiologen ihre Energieströme ordnen oder informieren sich vor einem Hauskauf beim Feng-Shui-Experten über schädliche Wasseradern. Die Bereitschaft, offensichtlichen Unsinn zu glauben, ist - so scheint es - grenzenlos. (...) Der Erkenntnistheoretiker David Hume schrieb (...) : "Die Annahme, etwas sei ein Wunder, ist nur dann gerechtfertigt, wenn alle alternativen Erklärungen noch unwahrscheinlicher sind." Angenommen, Ihr Nachbar behauptet, er hätte eine Topfpflanze, die sämtliche Arien aus Aida singen kann. Was ist wahrscheinlicher: Es gibt diese Topfpflanze oder Ihr Nachbar hat einen Sprung in der Schüssel? Jeder weiß doch: Topfpflanzen singen viel lieber Puccini. Das Dilemma der Alternativmedizin ist nicht, dass es keine wissenschaftliche Erklärung für sie gibt, sondern dass sie keine Methode anbietet, mit der man ihre angeblichen Erfolge überprüfen und sie im Zweifelsfall widerlegen kann.

Vince Ebert: Wo der Zweifel ist, da ist die Freiheit