Sie sind hier:

01

02

03

04

05

06

07

08

09

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

23

24

::

home





Die Frauen haben sich angestrengt – die Hälfte von allem haben sie trotzdem nicht. Das liegt an einem Zusammenspiel aus familienfeindlichen Arbeitsbedingungen, Mütterklischees und Männerbünden; aus drohender Kinderlosigkeit für erfolgreiche Frauen und drohender Erschöpfung für arbeitende Mütter. Jeder dieser Faktoren ist das Ergebnis einer politischen Entscheidung. Wer trifft die? Vermutlich sitzen nirgendwo Männer zusammen und sagen: Wir machen’s denen schwer.

Heike Faller


Deutschland ist Mamaland. Bevölkert von Mamasöhnchen und von Frauen, die möglichst schnell zu Mama mutieren möchten. (...) Mama riet ab von rohem Fisch, da man ja nicht wisse, ob der im atomar verseuchten Gewässer von Fukushima schon vorgegart wurde. So wie sie vor Salatgurken aus Spanien warnte, von denen man auch nichts Genaues weiß. Man sollte Mama nicht unterschätzen: sie kann ganze Volkswirtschaften niedermachen, wenn es um ihre Lieben geht. Um deren Sicherheit und die Gesundheit, das wichtigste von allem. Denn Freiheit und Risiko hatten wir. Und was hat es uns und der Welt gebracht? Eben. (…) Wer dem Öffentlich-Rechtlichen mit Bildungsauftrag und reger Hörerbeteiligung eine Weile zugehört hat, könnte auf die Idee kommen, seine Landsleute gingen alle mit dem Schnuller ins Bett – nicht ohne sich zuvor vergewissert zu haben, dass der Honig, der ihn schmackhaft macht, nicht durch irgendeine unwissend an gentechnischem Pollen naschende Biene verseucht ist. „Gentechnisch verändert“ rangiert hierzulande direkt hinter „atomar verseucht“ und löst Urängste aus. (…) Klar doch: man kann gegen Männer vieles einwenden, vor allem, dass sie es so wahnsinnig gerne krachen und stinken und explodieren lassen, wenn sie sich einer Sache mal richtig angenommen haben. Doch genau das spricht eben auch für sie. Ohne ihre Risikofreude wäre Deutschland nie das Land der Tüftler, Erfinder und Ingenieure geworden – ohne sie und all die Frauen, die ihnen für ihre Experimente den Küchentisch freiräumten oder ihre Mitgift plünderten.

Cora Stephan: Mama mag kein Risiko


... viele weibliche Führungskräfte haben noch etwas ganz anderes satt: dass sie, wenn sie es gegen alle Widerstände „geschafft“ haben, trotzdem immer nur als Frau gesehen werden. Bemerkenswert viele wollen sich zum Thema „Frau und Karriere“ gar nicht mehr öffentlich äußern. Eine Topmanagerin formuliert es so: „Dafür gebe ich meinen Namen und mein Gesicht nicht her. Denn solange wir in dieser Form darüber reden, ist mein Werdegang nicht normal. Ja, ich mache Karriere – weil ich das will und weil ich es kann. Mit meinen Brüsten hat das nichts zu tun." - Das stimmt – wie es auch stimmt, dass Frauen auf dem Weg nach oben mehr Federn lassen als die meisten ihrer männlichen Kollegen, weil die gängigen Rituale und Strukturen nicht zu ihnen passen. Vor allen Dingen wäre aber darüber zu reden, dass es nicht darum geht, ob eine Frau oder ein Mann den Job macht. Sondern die oder der Beste. Das ist einfach eine Frage der Würde. Und man muss noch über eine weitere Sache reden, ernsthaft: Vielleicht ist der vom DIW ermittelte Frauenanteil von 2,2 Prozent [*] ein Hinweis auf eine ganz andere Geschichte über das Wollen: Wie viele Frauen würden einen Vorstandsjob wirklich übernehmen wollen, mit allen Vor- und Nachteilen? Wie viele Menschen, egal welchen Geschlechts, haben heute überhaupt noch Lust auf so viel Verantwortung und das klassische Karrieremodell? [* in der Führung der 500 größten Unternehmen in Deutschland befinden sich nur 49 Frauen. Dies entspricht gerade einmal rund 2,4 % aller Vorstands- und Geschäftsführungspositionen in den Unternehmen]

Katharina Lotter: Viele haben die Debatte um Frauen und Karriere satt


Was für das Kollektiv, für die Gesellschaft sinnvoll sein mag, ist weit weniger überzeugend, wenn es auf konkrete Lebenssituationen einzelner Menschen heruntergebrochen wird. Weil die Aufstiegschancen von einer bestimmten Alterskohorte von Männern mit weitgehenden Frauenförderungsmaßnahmen sehr stark beschnitten würden. Man muss sich nur einmal umhören in Unternehmen, die entweder eine echte Frauenquote für Führungspositionen eingeführt haben oder eine ambitionierte Frauenförderungspolitik verfolgen, wie etwa auch die Axel Springer AG. Die Leidtragenden dieser Politik sind vor allem die Gruppe der 30- bis 40-jährigen Männer.

Clemes Wergin: Frauenquote ist jungen Männern gegenüber ungerecht


Gleichberechtigung hört bei der Partnerwahl auf, kaum eine Frau heiratet einen zehn Jahre jüngeren einfältigen, aber hübschen Loser, wie Männer das gerne tun
, weil es ihnen das gute Gefühl der Überlegenheit gibt, auf das Frauen freiwillig verzichten. Und da sitzen sie dann an Restaurant-Tischen und reden um des Redens willen, schütteln die Mähne und verhalten sich deckungsgleich mit den Bildern in ihren Köpfen, die aus blöden Filmen stammen. Wild muss seine Liebe sein, leidenschaftlich, Sex muss sein, aber viel und verrückt, und geredet muss werden, mit Torben, dem Manager, dass sich die Balken biegen. Ein gutes Gespräch ist, wenn keine Ruhe eintritt. Von sich entfremdet sitzen Torben und Jasmin, sie quatschen, als gäbe es kein Morgen, und sie werden sich wundern, wenn sie sich auseinanderleben, was sie dann bei der Scheidung angeben werden. Sie haben nie zusammengelebt, nie Ruhe ausgehalten, nie kennengelernt, wie angenehm es ist, bei sich zu sein, und den anderen mit Liebe anzusehen, auch wenn der Geschlechtsverkehr nicht mehr stattfindet, auch wenn Ruhe herrscht im Karton.

Sibylle Berg: Wenn Frauen an sich selbst scheitern


Frauen geben heute den Ton an; sie sind einerseits gleich, andererseits anders. Sie bringen einen anderen Umgangston, soziale Kompetenzen, Empathie und letztlich den Frieden. Das kann man so sehen. Man kann es auch so sehen, dass Frauen ein Mehr an Angst mit sich gebracht haben. Ihre Gebärfähigkeit macht sie schutzwürdig - und liebenswürdig! -, und das ändert sich nicht plötzlich, wenn die Geburtenrate langsam sinkt. Die Themen der Frauen sind daher: Angst vor Männern (alle Männer sind Gewalttäter), Angst vor Technik (Technik zerstört die Natur, die Natur ist weiblich und gut), Angst vor Veränderungen (am besten wird in der Verfassung festgeschrieben, dass sich nichts mehr ändern darf). Angst ist der gemeinsame Nenner. Und so fordern sie: Sicherheiten, Sicherheiten, Sicherheiten; Schutz, Schutz, Schutz. Ihr Zentralorgan ist die Sensationspresse, die Ängste stets neu befeuert. Und ihre Politik fördert einen grundfalschen Umgang mit der Angst, wie er sich etwa an den Frauenparkplätzen zeigt, die Angst-Aufladestationen sind, und der Frau am Steuer das signalisieren, was die Klamaukgruppe ‚Erste Allgemeine Verunsicherung’ so zusammengefasst hat: „Das Böse ist immer und überall“.

Bernd Lassahn: Mut zur Angst. Aber zur richtigen


Der Biologe Josef H. Reichholf sucht die Schönheit in der Entwicklung der Arten. Ein Gespräch über Männer, Pfauen und Darwin: "Frauen bestimmen über die Sexualität, nicht Männer" - Frage: Entsteht Schönheit durch die Sexualität, also nur um der Fortpflanzung willen? - Reichholf: Keineswegs, denn perfekte Symmetrien und für unser menschliches Auge wunderbare Gebilde gibt es bereits in der Welt der mikroskopisch kleinen Lebewesen, die einander gar nicht sehen können. Schönheit gewinnt im Zusammenhang mit der Fortpflanzung deswegen besondere Bedeutung, weil sie für die möglichen Partner bedeutet, dass sie zusammen passen und Nachwuchs erzeugen werden, der Chancen hat, zu überleben. Darwin erkannte diesen Zusammenhang und auch, dass es meistens die Weibchen sind, die wählen, mit welchem Männchen sie sich paaren. Daraus, so folgerte Darwin, kommt die sexuelle Selektion zustande, die so Bizarres hervorbringt wie das prächtige Gefieder von Pfauen und das auffällige, angeberische Balzgehabe vieler Männchen. Das sind Spielarten der viel grundlegenderen, allgemeinen Schönheit. Sie sind kein Luxus, sondern Ausdruck für die Freiheit, die viel größer ist, als sich das Darwin gedacht hatte. Denn die von ihm so betonte Anpassung an die Umwelt durch natürliche Selektion sollte so viel Schönheit gar nicht zulassen, wie sie tatsächlich in der Natur vorhanden ist.

Josef H. Reichholf: Der Ursprung der Schönheit.


Wir haben sie beinahe schon vergessen, die Pornografie, dieses Nachtgespenst der Nachkriegswelt, das Papi noch in seiner Aktentasche versteckt hielt. Das heißt aber nicht, dass sie verschwunden ist. Im Gegenteil. Pornografie in ihrer sanften, schönbusigen und appetitlichen Erscheinungsweise ist heute ein so alltäglicher Gebrauchsgegenstand wie das Wasser zum Kaffeekochen. Die junge halb nackte Frau, wie ein Hündchen auf allen vieren oder in innigem Unterleibskontakt mit einer Motorhaube posierend, gehört zur alltäglich gewordenen Ikonografie der westlichen Welt.

Iris Radisch: Die nackte Gesellschaft


Pornos fördern und verherrlichen Gewalt – diese Überzeugung gehört zu den Glaubenssätzen der alten Feministinnen. Und deshalb sind sie davon überzeugt, dass Pornografie bekämpft werden muss, wofür sich in Deutschland vor allem Alice Schwarzer mit ihrer Kampagne "PorNO" einsetzte. Dieses Urteil hat nur einen Haken: Dass Pornos Gewalt fördern, lässt sich nicht beweisen. Sexualwissenschaftler wie Milton Diamond argumentieren daher wie folgt: Würde Pornografie sexuell verrohen, hätten die Vergewaltigungszahlen steigen müssen, als die Pornowelle einsetzte. In Westdeutschland, Schweden und Dänemark stieg die Vergewaltigungsquote aber nicht, als dort zwischen 1969 und 1973 vor allem Sexfilme den Markt überschwemmten.

Till-R. Stoldt: Wie Pornografie den Menschen verändert


Man braucht aber gar nicht an den Anfang des 20. Jahrhunderts zurückzugehen, um die Relativität wissenschaftlich untermauerter Einsichten zu erkennen. Es genügt ein Blick in die Schriften über anti-autoritäre Pädagogik, die in den Sechziger- und Siebzigerjahren erschienen sind, von „Summerhill“ bis „Erziehung zum Ungehorsam“. Gleiches gilt für die Studien über das Waldsterben, das Ozonloch und den Einfluss von CO2 auf das globale Klima. Was „Wissenschaft“ ist, bestimmt also der Zeitgeist bzw. der Auftraggeber der jeweiligen Studie, wobei es wiederum darauf ankommt, was dieser vermarkten möchte: Butter oder Margarine, Zucker oder Süßstoff, Atom- oder Windkraft, Genuss oder Moral. So gesehen, gehört einiger Mut dazu, sich auf
„wissenschaftliche“ Studien zu berufen, um einen Zusammenhang zwischen dem Konsum pornografischer Produkte und sexueller Verwahrlosung zu konstruieren. Oder noch einen Schritt weiter zu gehen und zu behaupten, pornografische Darstellungen würden das männliche Gehirn „neu verdrahten“ und sogar bei gesunden jungen Männern zu sexuellen Störungen wie frühzeitigem Samenerguss und Impotenz führen. (...) Wenn eine "Ethik-Kommission" über die Zulässigkeit von AKWs entscheiden darf, dann kann man sich auch vorstellen, dass um einen runden Tisch herum Mitarbeiter der „Emma“ und Dozenten der katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt sitzen, um über die Wirkung pornografischer Angebote zu räsonieren. Das mag "Wissenschaft" im Sinne von Naomi Wolf und des Zeitgeistes sein, nur ist es so sehr Empirie wie „Schiffe versenken“ eine Übung in der Kunst des Seekrieges ist. Jeder Empiriker weiß, dass der Ausgang eines Versuchs maßgeblich von der Versuchsanordnung abhängt, so wie man eine Antwort durch eine Fragestellung beeinflussen kann.

Henryk M. Broder: Absurditäten der Anti-Porno-Lobby

siehe dazu: Naomi Wolf: Was Pornografie im Hirn des Mannes anrichtet

und: Naomi Wolf interviewt Candace Bushnell


In empörter Abwehr steckt immer auch eine verborgene Lust.
Wo der Lustgewinn einer lesbisch fühlenden Frau liegt, die nachweist, dass Männer ihre Gattinnen sexuell nicht befriedigen können, ist offensichtlich. Schwarzer ruft die Männer "Zipfelträger" und erfüllt sich in ihrem Engagement einen ur-lesbischen Wunsch: Das „Sexmonopol“ der Männer brechen, Frauen retten. Denn es ist ja die Scham und die Wut und die Enttäuschung einer jeden Frauenliebenden, dass heterosexuelle Damen selbst die ungewaschensten Männer noch vorziehen, und so wettert Schwarzer, der vaginale Orgasmus sei "eine physiologische Absurdität, denn die Vagina hat so viele Nerven wie der Dickdarm, das heißt: fast keine. Ihr Hauptteil kann ohne Betäubung operiert werden". Da gehen die Kastrationsphantasien dann gleich aufs eigene Geschlecht über. Nie hat Schwarzer dementiert, dass sie homosexuell sei, nie hat sie darüber geredet. Sie spricht immer nur über die Sexualität der anderen. Da hakt sie in unbändiger Neugier nach, noch in einem Interview mit Margarete Mitscherlich aus dem Jahr 2010 fragt sie: „Wie oft hast du dich im Laufe der Jahre denn verliebt in einen Patienten oder eine Patientin?“ Nicht dass Schwarzer diese Fragen stellt, ist distanzlos, sondern wie sie sie ausstellt. Ihr Voyeurismus ist die Kehrseite eines hartnäckigen Schweigens, ihre Eindeutigkeit des Urteils die Kehrseite einer Ambivalenz. Als gnadenlose Furie verfolgt sie die bösen Männer, die Pornografen, die Kinderschänder, die Islamisten oder jetzt – aktuell in Bild – den der Vergewaltigung angeklagten Jörg Kachelmann. Nie hat sie ihre groben Thesen geändert, der Mann ist ein Tier und die Frau sein Opfer. Doch eigentlich versteht sie sich ganz gut mit Männern, und eigentlich haut sie Frauen gern brutal eins drüber.

Andrea Roedig: Penetration für Alle!


Klar, wir sind Alice Schwarzer und Co. sehr dankbar über ihre unbestreitbaren Verdienste. Aber jetzt ist eine neue Generation von Frauen dran,

die ihre eigenen Ideen haben. (...) Dieser [neue] feministische Ansatz muss sich aber von dem alten Feminismus abgrenzen und den Lebenswelten der jetzigen Mittzwanzigerinnen anpassen. Frauen auf Highheels müssen mit Birkenstockträgerinnen für die gemeinsame Sache eintreten – ohne Zickenkrieg. Gleichberechtigung betont nämlich auch Wahlfreiheit.

Tina Schulz


Alice Schwarzer über ihr Buch "Der kleine Unterschied und seine großen Folgen" :

1. Der Koitus verdammt die Frau zur Passivität und ist so für Männer die unkomplizierteste und bequemste Sexualpraktik. Beine breit machen genügt.

2. Die psychologische Bedeutung dieses in sich gewaltsamen Aktes des Eindringens ist für Männer (und Frauen) sicherlich von Bedeutung. Bumsen - wie es so traurig treffend heißt als höchste Demonstration männlicher Herrschaft und weiblicher Unterordnung.

3. Nur der Mythos von der zentralen Bedeutung des Koitus sichert Männern das Sexmonopol über Frauen, macht sie unentbehrlich denn penetrieren können nur sie. Das ist der kleine Unterschied. Der "vaginale Orgasmus" ist eine Erfindung der Männergesellschaft.

In diesem Sexmonopol steckt so unendlich viel. Es bedeutet, dass wir emotional auf Männer angewiesen sind. Ob wir wollen oder nicht. Auch, dass wir uns Gefühl, Zärtlichkeit und Bestätigung durch Sex erkaufen müssen. Ob wir wollen oder nicht.


Es soll ja Priester geben, die predigen am liebsten im Puff, weil da am meisten Seelen zu retten sind. Alice Schwarzer hat natürlich ebenfalls stets nur die gute Sache im Sinn. Und diese Sache hat auch einen Namen, er lautet Alice Schwarzer. "Ihr geht es seit zwanzig Jahren nur noch um sie selbst"

Bascha Mika


Claudia Pinl, eine "Emma"-Frau der ersten Stunde, mit kurzen Haaren, roter Brille und regenbogenbuntem Schal, erzählt in einer Kölner Bar bei einem "Jever Fun" davon, wie die Frauenbewegung zur Lesbenbewegung wurde. " Man unterschied zwischen Urlesben und Bewegungslesben." Letztere hatten sich erst durch sexuelle Befreiung auf die andere Seite geschlagen, forderten dafür aber umso hartnäckiger Lesbianismus als letzte Konsequenz des radikalen Feminismus. "Ich fand's ein bisschen anmaßend von den Bewegungslesben, wie sie aus ihrer neugefundenen Lebensart gleich eine politische Strategie ableiteten", kommentiert Pinl, die sich selbst zu den Urlesben zählt. In ihrem Buch "Klatschmohn" hat sie, alias Julia Bähr, geschildert, wie sie Schwarzer und deren damalige hochgewachsene, schwarzhaarige Gefährtin in Berlin besuchte. Schwarzer habe "Avocados mit wohlschmeckender Soße" serviert, während die andere Frau stundenlang afrikanische Trommeln bearbeitete.

Lydia Harder


Simone de Beauvoir - in den Worten Alice Schwarzers die "einflussreichste weibliche Intellektuelle des 20. Jahrhunderts" - wollte in den siebziger Jahren die patriarchalische Unterdrückung durch "die Erziehung der Kinder außerhalb des Hauses sichern" und die "Sklaverei der Mutterschaft" beenden. "Kinder zu haben, die ihrerseits wieder Kinder bekämen, hieße nur das ewige alte Lied wiederholen; - der Gelehrte, der Künstler, der Schriftsteller, der Denker schufen eine andere, leuchtende, frohe Welt, in der alles seine Daseinsberechtigung erhielt. In ihr wollte ich meine Tage verbringen" - In ihrem Hauptwerk "Das andere Geschlecht" bezeichnet sie die Schwangerschaft als "Verstümmelung" und den Fötus als "Parasit". Mit ihrem Lebensgefährten Jean-Paul Sartre hat sie alles geteilt - nur nicht das Bett, denn Simone de Beauvoir war in der gelebten Praxis bisexuell, ihrer inneren Empfindung nach wohl eher lesbisch. Aber wie ihre "jüngere Schwester" Alice Schwarzer hat sie ihre sexuelle Orientierung nie offen eingestanden. Das hätte auch niemand erwartet, wenn die beiden nicht ausgerechnet das Zusammenleben von Männern und Frauen zu ihrem Lebensthema erkoren hätten. Das Homosexuelle die bürgerliche Familie oft ins Lächerliche ziehen ist ebenso nachvollziehbar wie die Ablehnung von "richtigen" und "falschen“ Wertsystemen. Die Einsicht aber, das die sexuelle Präferenz kein soziokulturelles Konstrukt ist in dem sich fluktuierende "gender roles" je nach Wetterlage abwechseln, sondern eine recht eindeutig von der jeweiligen genetischen Veranlagung geprägte Persönlichkeit erzeugt, wäre schon ein großer Fortschritt im Kampf der Geschlechter.

...just my five cents ...

siehe auch: Alice Schwarzer: Warum outen sich nur Männer ?


Bundesgamilienministerin Kristima Schröder im Interview: - SPIEGEL: Wie finden Sie Alice Schwarzer? Schröder: Ich habe viel von ihr gelesen - "Der kleine Unterschied", später dann "Der große Unterschied" und "Die Antwort". Diese Bücher fand ich alle sehr pointiert und lesenswert. Etliche Thesen gingen mir dann aber doch zu weit: zum Beispiel, dass der heterosexuelle Geschlechtsverkehr kaum möglich sei ohne die Unterwerfung der Frau. Da kann ich nur sagen: Sorry, das ist falsch. SPIEGEL: Warum? Schröder: Es ist absurd, wenn etwas, das für die Menschheit und deren Fortbestand grundlegend ist, per se als Unterwerfung definiert wird. Das würde bedeuten, dass die Gesellschaft ohne die Unterwerfung der Frau nicht fortbestehen könnte. Wir müssen selbstbewusster werden - Dazu Grünen-Fraktionschefin Renate Künast über Kristina Schröder: "Krude und altbacken", SPD-Vize Manuela Schwesig: "So viel Unsinn habe ich lange nicht gelesen"...


Es ist peinlich. Nicht das rührende Interview mit Kristina Schröder, der Frauen- und Familienministerin, in dem sie sich zu Ehe und Kindern bekennt, den Jungs in der frühkindlichen Erziehung helfen will und überhaupt frank und frei daherredet. Nein, es ist peinlich, mit welcher Gemeinheit Alice Schwarzer auf dieses Interview der jungen Frau im "Spiegel" reagiert. Peinlich ist dies, weil es die deutsche Hässlichkeit widerspiegelt, sei es bei Gorleben, Stuttgart21 oder eben dem Feminismus: diese Ausschließlichkeit, dieser tödliche Ernst, diese Gnadenlosigkeit dem Andersdenkenden gegenüber.

Andrea Seibel