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Marc Dutroux, Sohn eines Lehrers und Leninisten, notorischer Dieb und Ex-Stricher, der seine Mutter und Geschwister schlug und schon in der Schule Pornobilder verkaufte. Der Julie und Melissa entführte, sie in ein Verlies sperrte, missbrauchte und seine Schandtaten filmte, um Geld mit den Aufnahmen zu verdienen. Der dasselbe mit Eefje, 19, und An, 17, tat, bevor sie lebendig begraben wurden. Der verhaftet wurde und während seiner Zeit im Gefängnis Julie und Melissa verhungern ließ. (...) Den zahlreichen Hinweisen, Dutroux arbeite für einen Kinderhändlerring und "versorge" auch Prominente mit Mädchen, wurde nie ernsthaft nachgegangen. Während des Gerichtsverfahrens kamen 27 Zeugen unter bisweilen mysteriösen Umständen ums Leben - ein unglaublicher "Zufall", den der TV-Journalist Piet Eekman dokumentierte. (...) Dutroux wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt - doch der Fall sorgte weiter für Furore. Am 14. Oktober 2010 verurteilte ein Gericht in Lüttich einen Mann namens Victor Hissel zu einer zehnmonatigen Haftstrafe. Der Anwalt hatte zwischen 2005 und 2008 mehr als 7500 kinderpornografische Bilder angesehen. Hissel war nicht irgendein Jurist, er vertrat die Familien der Opfer von Marc Dutroux vor Gericht. Ein Pädophiler also, der für die Verurteilung eines Kinderschänders kämpfte.

Der Alptraum endet nie / s.a.: Marc Dutroux und die toten Zeugen Teil 1 und Teil 2 - Wikipedia: Marc Dutroux


Er befiehlt ihr, das klingelnde Telefon anzunehmen. Ein Kollege ist am Apparat, sie muss sagen, dass es ihr gut gehe. Dann knebelt er sie mit ihrem Schal. Aus Roland K.s Akte weiß sie, dass sein letztes Opfer an seiner Knebelung erstickt ist. Er zeigt ihr eine weitere Kleberflasche, einen Plastikbehälter mit dünner Kanüle und sagt, damit könne er ihr direkt in die Venen spritzen. Dann vergewaltigt er sie, in den folgenden Stunden immer und immer wieder. Als sie nach fast sieben Stunden aus dem Büro wankt, ist sie in einem neuen Leben. Dem eines Opfers. (…)

Es beginnt all das, was Susanne Preusker bisher als Psychologin von Patienten aus den Akten kannte. Angst, das Haus zu verlassen, Angst vor Fremden, vor Unbekanntem. Schlaflose Nächte und Tage, an denen ihr die Kraft zum Aufstehen fehlt. (…) Susanne Preusker ist jetzt 51 Jahre alt. Sie hat immer mitten im Leben gestanden. Jetzt hat sie das Gefühl, daneben zu stehen. Ihre tiefe Stimme ist ganz ruhig, als sie sagt: „Ich will keine mitleidigen Blicke, will nicht mit Samthandschuhen angefasst werden. All das ist mir zuwider.“ Es ist die Ohnmacht, der Kontrollverlust, wogegen sich alles in ihr wehrt. Und das Wattegefühl, das sie nun in ihrem neuen Leben regelmäßig überfällt. Wenn sie im Auto sitzt, vor dem Supermarkt steht, im Gespräch ist. Diese Wand, die sich zwischen sie und die Umwelt schiebt, die sie hören lässt, Wörter, Geräusche, alles ganz klar und doch wie gedämpft. (…)

Susanne Preusker kann nicht mehr als Psychologin arbeiten. Zu sehr bohrt in ihr diese eine Frage: „Habe ich einen Fehler gemacht?“ Vier Jahre hat sie den Täter therapiert, ihn durchgetestet, alle Sicherheits- und Gefahrenanalysen gemacht. Sie schüttelt den Kopf. „Dass mir das passiert ist, darüber komme ich einfach nicht hinweg.“ (…)

Sie weiß jetzt, was es heißt, Opfer zu werden in einer Gesellschaft, die sich viel um Täter kümmert. Auch darum hat sie das Buch geschrieben: Um sich und andere aus der Opferrolle zu befreien. Dass sie das öffentlich tut, hat ihr schon jetzt viel Kritik eingebracht. „Opfer haben das Haupt zu senken, und Opfer haben so zu tun, als sei alles normal und wie immer“

Heike Vowinkel: Vergewaltigt – wie eine Psychologin zum Opfer wurde


Im niedersächsischen Bodenfelde hat der 26-Jährige Jan O. zwei Kinder ermordet und sie dabei so furchtbar zugerichtet, dass sich die Polizei zu Details nicht äußern wollte. Nach der Tat prahlte der Täter auf der Internetplattform Facebook: "Gestern Mädchen geschlachtet. Jeden Tag eins bis mich erwischen" Die 14-Jährige Nina musste nach seiner Aussage sterben, weil sie sich gegen seine Annäherungsversuche gewehrt hatte. Er zerrte sie zwischen die Bäume, schlug ihr auf den Kopf und stach auf sie ein. Der "Focus" berichtete Jan O. habe die Leiche des Mädchens danach mit seinem Handy gefilmt. Vor der Tat war Jan O. mit seinen insgesamt 70 Straftaten zur Bewährung auf freiem Fuß. Das Jugendamt und der psychiatrische Dienst hatten sich um ihn viele Jahre gekümmert. Er wurde in Heimen untergebracht und erhielt in Griechenland eine erlebnispädagogische Erziehungsmaßnahme.

Eine erlebnispädagogische Erziehungsmaßnahme kostet etwa 5000 Euro pro Monat, - die Haftkosten in einem deutschen Gefängnis liegen bei etwa 3000 Euro. Sollte Jan O. 15 Jahre Haft verbüßen müssen, kostet seine Verwahrung den Staat etwa eine halbe Million Euro. Auch nach der Haft wird er mit großer Wahrscheinlichkeit bis an sein Lebensende Transferleistungen beziehen. Die Kosten für die Betreuung, Verpflegung, Unterkunft, Gesundheit und Bildung eines Kindes, das in Pakistan bei der Flutkatastrophe seine Eltern verloren hat betragen monatlich etwa 30 Euro. (vgl. SOS – Kinderdorf-Patenschaft)

Wie immer bei spektakulären Gewalttaten stürzen sich die Medien auf die Motive des Täters und analysieren wie im Fall Jan O. in einer Mischung aus Abscheu und Verständnis dessen traumatisierte Kindheit. Auch vor Gericht geht es nach unserer Strafrechtsordnung im Wesentlichen um das Psychogramm des Täters, um seine Resozialisierung und um das Abwägen von pädagogisch sinnvollen Sanktionen. Die klaffenden Schnittwunden im Bauch der kleinen Nina, die gellenden Schreie des kleinen Tobias, das ausströmende Blut und die Bilder von den im Todeskampf geweiteten Augen gelangen nur über den gedruckten Polizeibericht in den Ger
chtssaal.

Es gibt Verbrechen wo jede Differenzierung der Täterpersönlichkeit ins Absurde abgleitet. Die Todesstrafe gilt in einem demokratisch-aufgeklärten Staat als unethisch, weil sich - wie die Neurowissenschaftler herausgefunden haben - die Gehirne von Verbrechern "nicht frei entscheiden" können. Dieser Logik zufolge müßten wir die Täter kleinerer Straftaten laufen lassen und Mörder und Triebtäter in wohnlich ausgestatteten "Pflegeheimen" unterbringen. Keine funktionierende Gesellschaft kann eine Rechtsordnung "ohne Strafvollzug" aushalten und die Eltern von Nina und Tobias werden bis zum Ende ihres Lebens fragen: Warum darf der Mörder weiterleben?

- just my five cents ...


Nicht der Mensch mordet, sondern sein Gehirn. Das behaupten seit einiger Zeit führende deutsche Neurowissenschaftler. Unser freier Wille sei in Wirklichkeit nur eine Illusion, die uns unser Gehirn vorspielt, sagt Gerhard Roth, Direktor des Instituts für Hirnforschung an der Universität Bremen. Schon vor unserem subjektiven Entschluss, etwas zu tun, habe das Hirn sich bereits dafür entschieden. Deshalb könne bei Verbrechen nicht mehr einfach von Schuld gesprochen werden. Ein Mörder habe sich zum Mord entschieden, "weil er mit einem Gehirn ausgestattet ist, das in diesem Moment so entscheiden konnte und nicht anders", meint auch sein Forscherkollege Wolf Singer, Direktor am Max Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main. Die Hirnforscher fordern deshalb eine Änderung des Strafrechts: Da unser Verhalten nicht von selbstbestimmten Entscheidungen, sondern vom limbischen System abhänge, "muss im Strafrecht das Prinzip der moralischen Schuld aufgegeben werden", fordert Roth in einem Beitrag für die Zeitschrift Information Philosophie. Wer von Genen und Neuronen gesteuert werde, sei nicht schuldfähig.

Fabian Kröger: Die Hirnforschung provoziert den Rechtsstaat


In Deutschland betragen die Vollzugskosten für Strafgefangene pro Inhaftierten und Tag etwa 75 € (2008) - Das ergibt im Jahr mehr als 26 000,- € für jeden Insassen. Für straffällige Jugendliche belaufen sich die Kosten der stationären Unterbringung in einer intensiv-pädagogischen Einrichtung auf etwa 200 bis 250 Euro pro Tag. Ein überführter Mörder kostet den Staat in seiner 15 jährigen Freiheitsstrafe mindestens 400.000,- Euro - also etwa soviel wie ein luxuriöses Einfamilinhaus. Der entstandenne volkswirtschaftliche Schaden - zB. durch Drogenhandel - ist dabei noch garnicht berücksichtigt. Hinzu kommen Kosten für Resozialisierungsmaßnahmen, für die polizeiliche Ermittlung und die Gerichtsverfahren. Nach der Haftentlassung trägt der Staat im Regelfall bis zum Tod weitere Sozialleistungen. Gesamtwirtschaftlich betrachtet kostet das Leben eines M örders oder Kinderschänders die Gesellschaft oft mehr als 1 Million Euro. Auf der Seite der Opfer kommte es bei nur 36 % der jährlich gestellten Anträge nach dem Opferentschädigungsgesetz zu einer Anerkennung und damit zur Übernahme von Heilbehandlungskosten (8.484 Fälle in 2007) oder Rentenleistungen aufgrund andauernder Gesundheitsschäden infolge der erlittenen Straftat. Von knapp 218.000 Gewaltopfern erhielten im Jahr 2007 in ganz Deutschland nur 1.600 Personen eine Rente. (Darunter 175 Witwen und Waisen)


Es ist teurer, jemanden für ein Jahr ins Gefängnis zu schicken als nach Eton. Neben den 38.000 Pfund für einen Gefängnisaufenthalt nehmen sich die Gebühren für das Elite-Internat geradezu bescheiden aus.

Kenneth Clarke, britischer Justizminister


Die Hirnforschung weist nach, dass die meisten jugendlichen Wiederholungsgewalttäter in ihrer frühesten Kindheit lang anhaltende Gewalterfahrungen gemacht haben. Dies wird unwiderruflich im Gehirn gespeichert. Zusätzlich haben sie einen unterdurchschnittlichen Serotoninspiegel - ein Stoff, der bei Angstgefühlen eine große Rolle spielt. Aggressives Auftreten ist oft Folge einer biochemisch hervorgerufenen Wahrnehmung von Unterlegenheit. Darauf reagieren diese Jugendlichen so, wie sie es von Kindesbeinen an gelernt haben: Sie schlagen zu.
Mit der hehren Vorstellung von einem menschlichen Willen, der sich frei für das Gute und gegen das Böse entscheiden könne, kommen Sie da nicht mehr viel weiter. Unser ach, so großartiges Bewusstsein ist nichts anderes als die nachträgliche Legitimation dessen, was biochemisch in unserem Hirn längst "entschieden" ist. (...) Erkenntnis: Wir müssen anders über Schuld reden, denn Schuld setzt voraus, dass ich wissentlich und willentlich tue, was ich nicht soll. Wenn die Hirnforschung diesen Zusammenhang außer Kraft setzt, ist das so revolutionär wie weiland die Erkenntnis, dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht umgekehrt. (...) Wir müssen zugestehen, dass das Gefängnis allein solche gewalttätigen Jugendlichen nicht verändern wird. Sie werden durch das Gefängnis auch nicht resozialisiert, obwohl wir dies den Jugendlichen selbst und uns vorgaukeln. Die Rückfallquote ist dramatisch hoch, und die Gesellschaft nimmt die Täter auch nicht wieder auf. Wir müssen darüber reden, dass Haftanstalten primär das Bedürfnis nach Rache befriedigen. (...) Statt Jugendlichen einen neuen, anderen Weg ins Leben zu ermöglichen, werden sie erst recht in den Feinheiten der Kriminalität ausgebildet. Sie verlassen das Gefängnis als tickende Bomben.

Michel Friedman


Sie empfindet Wut, Trauer oder Freude, Angst hat sie nie: US-Mediziner berichten von einer Frau, in deren Gehirn eine bestimmte Region völlig zerstört ist - dort sitzt offenbar das Zentrum der Furcht. Dass die Frau überhaupt noch lebt, erstaunt die Wissenschaftler ... > Die Frau, die keine Angst kennt


Über Jahre hinweg ist in Deutschland eine kriminelle Parallelgesellschaft entstanden. Mafiöse Ausländerclans mit Tausenden Mitgliedern haben sich unter Ausnutzung rechtlicher Schlupflöcher, sozialer Leistungen und internationaler Kontakte zu dominierenden Größen der Organisierten Kriminalität entwickelt. Sie handeln mit Heroin und Kokain, kassieren in Bordellen oder sind im Schleusergeschäft aktiv. Die Brutalität, mit der sie dabei vorgehen, haben sie zur Macht im Milieu werden lassen, Polizisten fürchten sich vor ihnen. Der Staat schaut dem Treiben der Sippen meist tatenlos zu, die Politik ignoriert das Phänomen.

Der Staat kuscht vor kriminellen Clans


Berlin ist für die Organisierte Kriminalität aus dem Osten der erste Platz. Mafia-Spitzen unterwanderten verstärkt die legale Wirtschaft, um illegale Gelder zu lenken. 1,3 Milliarden Dollar sollen kriminelle Banden in den vergangenen vier Jahren nach Deutschland geschafft haben. Laut dem Experten Jürgen Roth („Die Russen-Mafia“) gelangen 20 Prozent davon nach Berlin.Wenn die Entwicklung anhalte, sei nicht auszuschließen, daß sich OK, Politik und Wirtschaft wie in Italien verschmelzen. siehe auch: "Im Angesicht des Verbrechens" und: "Deutschland im Visier"


Die Kraft eines fast archaischen Clan- und Familiendenkens, das sich unserer Gesellschaft mit Selbstbewusstsein entgegenstellt und das wir bei uns - aus gutem Grund übrigens - längst verloren haben, müssen wir psychologisch zumindest als eine Macht verstehen. Vielleicht sind wir damit ein Stück näher an der Wahrheit (...)

Der Regisseur Dominik Graf über seine Fernsehserie "Im Angesicht des Verbrechens"


Eine Familie, Vater, Mutter, 10 bis 15 Kinder, in Einzelfällen bis zu 19 Kinder, wandert aus dem Libanon zu. Einige Kinder werden noch in der 'Heimat' geboren, andere in Deutschland. Bevor die Mütter das letzte eigene Kind gebären, haben sie bereits Enkelkinder. Deshalb vergrößert sich ein Clan in atemberaubender Geschwindigkeit. Als Staatsangehörigkeit der Familien taucht in amtlichen Papieren (…) 'staatenlos', 'ungeklärt', 'libanesisch' oder zunehmend auch 'deutsch' auf. Man bezieht staatliche Transferleistungen und Kindergeld. (...) Eine Großfamilie bringt es ohne Probleme auf Hunderte polizeilicher Ermittlungsverfahren. Wenn die Drogen- oder sonstigen illegalen Geschäfte von einem rivalisierenden Clan oder gar von Banden mit einem anderen ethnischen Hintergrund gestört werden, wird das Problem gelöst, indem man einander tötet oder dies zumindest versucht. (…) Die weiblichen Familienangehörigen stehlen vorwiegend und die männlichen begehen Straftaten aus allen Bereichen des Strafgesetzbuchs: von Drogen- und Eigentumsdelikten über Beleidigung, Bedrohung, Raub, Erpressung, gefährliche Körperverletzung, Sexualstraftaten und Zuhälterei bis zum Mord ist alles vertreten. Die Kinder wachsen weitgehend unkontrolliert in diesen kriminellen Strukturen auf."

Kirsten Heisig: Das Ende der Geduld